Ärzte Zeitung, 18.03.2005

"Durch Feinstaub sterben mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle"

Rußteilchen aus Dieselsabgasen und Reifenabrieb sind das größte Problem

BERLIN (gvg). Feinstaub-Exposition verkürzt nach Daten der WHO die Lebenserwartung im Mittel um knapp neun Monate, in Deutschland im Mittel um etwa zehn Monate. Und: Nach neuen Daten der EU-Kommission sterben in Deutschland angeblich etwa 65 000 Menschen jährlich an den Folgen der Feinstaub-Inhalation.

Feinstaub sind Rußteilchen mit einem Durchmesser von zehn Mikrometer und weniger. "Wir können davon ausgehen, daß mehr Menschen durch Feinstaubexposition sterben als durch Verkehrsunfälle", sagte Dr. Uwe Lahl vom Bundesumweltministerium auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Berlin.

Anders als bei den größeren Teilchen ist der Feinstaubgehalt der Luft konstant oder steigt sogar an, wie Privatdozent David Groneberg von der Charité Berlin sagte. "Ähnlich wie bei der Radioaktivität scheint es auch beim Feinstaub keinen unteren Grenzwert zu geben", so Groneberg zur "Ärzte Zeitung". Feinstaubexposition erhöhe die Zahl der Krankenhauseinweisungen und die Menge der Medikamente, die Asthmatiker benötigten.

Medizinisch relevant seien vor allem Dieselabgase und der Abrieb von Autoreifen, die in Bodennähe und auf Gehwegen einen Großteil der Staubteilchen ausmachten, wie Groneberg betonte. Er zeigte unter anderen Rasterkarten von Berlin, auf denen sich anhand der Feinstaubkonzentration in der Luft der Verlauf der Hauptverkehrsadern nachzeichnen läßt.

Eine effektive Maßnahme gegen Dieselabgase sind Rußpartikelfilter. Anders als französische Autohersteller bieten deutsche Firmen solche Filter noch immer nicht serienmäßig an.

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