Ärzte Zeitung, 15.06.2005

Führerschein für Discjockeys

TK Baden-Württemberg bietet Schulungen an / Discos mit Schallpegelmesser

SINSHEIM (dpa). Die Stimme so rauh wie ein Reibeisen, ein Piepen im Ohr, der Körper von den Bässen durchgeschüttelt. Das sind die typischen Symptome nach einer Nacht auf Deutschlands Tanzflächen. Mit der Lautstärke eines Jumbo-Jets lassen sich die Partygäste oft genug zudröhnen. 120 Dezibel - Alltag in Clubs und Discotheken.

"Lautstärke ist nicht gleich Stimmung": Tommy Schleh in seiner Discothek in Sinsheim. Foto: dpa

"Wenn sich an dem Lärmpegel nichts ändert, wird jeder zehnte Jugendliche einen bleibenden Hörschaden bekommen", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK Baden-Württemberg. Experten befürchteten, in 50 Jahren könnte jeder dritte Jugendliche ein Hörgerät benötigen.

Angesichts dieser Zahlen wollen die TK und der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) die Lautstärke in Discotheken auf ein gesundes Maß drosseln. Mit einem "Führerschein für Discjockeys" sollen die Partymacher selbst Verantwortung für die Gesundheit ihrer Gäste übernehmen. "Die DJs sollen für die Folgen von zu lauter Musik sensibilisiert werden und freiwillig den Pegel sinken lassen", sagt BDT-Geschäftsführer Stefan Büttner.

Zum zweiten Mal in Baden-Württemberg wurde jetzt in Sinsheim eine kostenlose Schulung angeboten. Mehr als 100 Discjockeys reisten an. Weil es für den Beruf keine geregelte Ausbildung gibt, werden in der Schulung nicht nur die gesundheitlichen Folgen von zu lauter Musik erläutert, sondern auch akustisch-technische Aspekte und rechtliche Fragen.

Als technisches Novum wird den DJs ein spezieller Schallpegelmesser vorgestellt. Er soll ihnen helfen, die Lautstärke in den Discos unter 100 Dezibel zu halten - ein Richtwert, den die Bundesärztekammer fordert.

Ein Display zeigt an, wenn der Discjockey die Musiklautstärke in den gesundheitlich kritischen roten Bereich fährt. Als zusätzlichen Anreiz für die Betreiber will das Land zum Jahresende mit einem Gütesiegel die Discotheken auszeichnen, die DJs mit "Führerschein" buchen und den Schallpegelmesser eingebaut haben.

"Lautstärke ist nicht gleich Stimmung" - dieses Motto vertritt auch Discobetreiber Tommy Schleh. Mit der Regulierung der Lautstärke tun die DJs nicht nur ihren Gästen Gutes, sondern auch sich selbst. "Viele DJs leiden unter Hörschäden", erzählt Andreas Glasstetter, DJ im "Alpenmax" in Sindelfingen. Sein persönlicher Trick ist es, in den Pausen mit den Gästen zu plaudern und selbst zu prüfen, ob die Musik zu laut ist.

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