Ärzte Zeitung, 30.08.2005

Deutschland exportiert Tonnen von Pestiziden

Aus Deutschland werden jährlich tausende Tonnen hochgiftiger Pestizide exportiert.

Im Jahr 2004 seien allein mehr als 1000 Tonnen des in Deutschland nicht zugelassenen Pestizids Linuron exportiert worden, teilten die Hilfsorganisation Brot für die Welt und das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) mit. Das Mittel sei krebsverdächtig, stark wassergefährdend und greife in das Hormonsystem von Mensch und Tier ein.

Die Kritik stützt sich auf vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte Zahlen. Demnach exportierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt etwa 24 000 Tonnen Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel), 36 000 Tonnen Fungizide (Pilzvernichtungsmittel) und mehr als 11 000 Tonnen Insektizide. Darunter waren sowohl in Deutschland zugelassene als auch verbotene Mittel.

Die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln seien zwar verpflichtet, die Exportmengen zu melden, eine Genehmigungspflicht gebe es aber nicht, hieß es in einer Stellungnahme des BVL. Der internationale Handel mit für Mensch und Umwelt riskanten Pflanzenschutzmittel werde durch die Rotterdamer Konvention reglementiert. Sie stelle sicher, daß den Importländern vorab ausreichende Informationen über die Produkte zur Verfügung gestellt werden.

Problematisch seien vor allem gesundheitsgefährdende Mittel wie die ebenfalls nicht in Deutschland zugelassenen Nervengifte Endosulfan, Azinphosmethyl und Fenamiphos, betonte PAN-Geschäftsführerin Carina Weber. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Bruch mit dem deutschen Verordnungssystem?

Eine Gesetzesänderung ermöglicht Ärzten seit kurzem, Cannabis zulasten der Kassen zu verschreiben. Der Patient bezieht Cannabis aus der Apotheke. Das neue Rechtskonstrukt sehen viele aber als "Systembruch". mehr »