Ärzte Zeitung, 22.06.2004

Mit Sport und Diät halbierte Kollege seine Kilos

Innerhalb von zwei Jahren 100 Kilogramm Körpergewicht abgenommen / Erfahrungsbericht als Buch erhältlich

Adipositas - jeder Fünfte in Deutschland ist betroffen, Tendenz steigend. Viele Menschen resignieren ab einem gewissen Zuviel an Kilos einfach, nach dem Motto: 50 kg abnehmen? Das schaffe ich sowieso nie! Daß sogar das Doppelte an Gewichtsverlust möglich ist, einfach durch Sport und Ernährungsumstellung, belegt das Beispiel des niedergelassenen Orthopäden und Ernährungsmediziners Dr. Peter Krapf aus Trier. Er hat es geschafft, in zwei Jahren 100 Kilo abzunehmen und sein Zielgewicht von etwa 89 Kilo seit 2002 bis heute zu halten. Wie ihm das gelungen ist, darüber sprach er mit Sarah Louise Pampel von der "Ärzte Zeitung".

Da mit fast 190 kg kaum eine Sportart zu bewältigen war, entschied sich Dr. Peter Krapf aus Trier zunächst für Krafttraining. Fotos (2): Kneipp Verlag, Österreich

Ärzte Zeitung: Was hat den Ausschlag gegeben, etwas gegen das Übergewicht zu tun?

Krapf: Patienten von mir in meinem Alter sind etwa an einem Herzinfarkt gestorben. Ich dachte mir: Auch ein Arzt hat eine begrenzte Lebensdauer, mit Übergewicht erst recht. Da habe ich beschlossen abzunehmen.

Ärzte Zeitung: Welche Maßnahmen ließen Ihre Pfunde purzeln?

Heute tragen ihn seine Beine wieder im Laufschritt: Beim Joggen unter Pulskontrolle fühlt Dr. Krapf sich wohl.

Krapf Ich wollte das Gewicht wirklich unter 100 kg haben. Ich habe vor allem weniger gegessen und Sport getrieben. Ich hab mir überlegt, was ißt du gern, was davon ist gesundheitlich sinnvoll, was nicht, welche Mahlzeiten sind die wichtigsten für mich. Abends muß ich etwas essen, sonst schlafe ich nicht gut. Daher hab ich vor allem das Mittagessen reduziert. Und um mich satt zu fühlen, habe ich morgens Vollkornreis gegessen und abends 200 g Sauer- oder Rotkraut, das wenig Kalorien hat. So ist das Abendessen klein oder ganz ausgefallen. Wichtig aber ist Sport.

Ärzte Zeitung: Welche Sportarten haben Sie betrieben?

Krapf: Mit dem Höchstgewicht von fast 190 Kilo kam ich auf kein Fahrrad mehr. Also trainierte ich ein bis drei Stunden pro Tag meinen Oberkörper. Ich habe bei diesem Krafttraining am Tag 10 bis 30 Tonnen bewegt - insgesamt eineinhalb Jahre lang. Als die ersten 40 Kilo Körpergewicht weg waren, habe ich zusätzlich am Heimfahrrad trainiert oder bin jeden Tag 42 km mit dem Rad zur Arbeit und zurück. Heute spiele ich Tennis.

Ärzte Zeitung: Also haben Sie nie Kalorien gezählt?

Krapf: Nein, Ich wußte zwar etwa, welches Lebensmittel wieviel Kalorien hat, habe das aber nie zusammengezählt. Entscheidend war für mich: Was zeigt die Waage an. Es ist ein Ansporn, wenn das Gewicht runtergeht. Aber die Kalorien habe ich schon reduziert. Wenn einem klar wird, wie lange man Radfahren muß, um eine Praline zu verbrennen, überlegt man sich, ob die Praline sein muß.

Ärzte Zeitung: Was würden Sie übergewichtigen Menschen raten, die abnehmen wollen?

 
"Wenn klar wird, wie lange man Radfahren muß, um eine Praline zu verbrennen, überlegt man sich, ob die Praline sein muß."

Krapf: Zur exakten Körpergewichts-Messung ist eine Personenwaage sinnvoll, die in 100-g-Schritten mißt, das erhöht die Motivation. Sport sollte mit einer Pulsfrequenz im fettverbrennenden Bereich erfolgen. Dieser Bereich ist am genausten durch eine Blut-Laktatmessung bei Ergometer- oder Laufbandtraining zu ermitteln. Eine solche Untersuchung kann man etwa bei einem Sportmediziner machen lassen.

Essen sollte man das, was einem schmeckt, aber verstecktes Fett weglassen. Vorzugsweise sollte es etwas sein, was einen niedrigen glykämischen Index hat - also etwa Vollkornreis - und wenig Glukose, die den Blutzuckerspiegel schnell steigert. Wichtig ist auch, vor der eigentlichen Mahlzeit etwas kalorienarmes zu essen, das satt macht. Und: Viel trinken! Ich trinke vier bis sechs Liter Mineralwasser und Tee am Tag. Vitamin- und Mineralstoffmangel sollte nicht entstehen.

Ärzte Zeitung: Wie schaffen sie jetzt, Ihr Gewicht zu halten?

Krapf: Wenn die Muskulatur besser ist, ist das Gewichthalten einfacher. Das Mittagessen bleibt für mich aber reduziert, also etwa zwei unbelegte Vollkornbrötchen. Ich versuche fette Nahrung zu meiden wie Butter und Salami. Vollkornreis am Morgen esse ich noch gelegentlich oder ein Filetsteak, das sättigt bei wenig Kalorien. Aber ich trink abends auch mal ein Bier. Entscheidend ist nach wie vor die Waage.

Die Erfahrungen und Tips von Dr. Peter Krapf sind in seinem "10 x 10-Kilo-weg-Buch" nachzulesen, erschienen im Kneipp Verlag Leoben, Wien, 2003, 94 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 3-902191-52-X

STICHWORT

Glykämischer Index von Lebensmitteln

Der glykämische Index (GI) teilt kohlenhydrathaltige Lebensmittel nach ihrer blutzuckersteigernden Wirkung ein. Je schneller und höher der Anstieg, je höher also der GI, desto ungünstiger, heißt es. Denn: Es wird schneller mehr Insulin frei als bei niedrigem GI und so etwa die Fettverbrennung gebremst.

Definiert ist der GI als die Fläche unter der Kurve der Blutzuckerwerte nach Verzehr von 50 g verwertbaren Kohlenhydraten im jeweiligen Lebensmittel. Als Referenzwert dienen meist 50 g Glukose mit dem GI von 100. Ein GI von 50 heißt: Der Blutzuckeranstieg durch das Lebensmittel ist halb so schnell und stark wie bei Glukose.

Die GI-Werte sind in Studien ermittelt worden und gelten für ein Lebensmittel, nicht für Kombinationen wie Brot mit Butter. Aber: Je nach Quelle variieren ermittelte GI-Werte oft, da sie von vielen Faktoren abhängen, etwa von der Lebensmittel-Zubereitung. (slp)

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