Ärzte Zeitung, 17.11.2004

Ist NASH öfter Grund für eine Leberzirrhose als Hepatitis C?

Nach Berechnungen italienischer Epidemiologen haben fünf Prozent der Bevölkerung NASH / Jeder zehnte Betroffene bekommt eine Zirrhose

MÜNCHEN (wst). Die Häufigkeit der nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) wurde bislang ebenso unterschätzt wie ihr Potential, in einer Zirrhose zu münden. Hauptrisikofaktoren für NASH sind Übergewicht und Typ 2-Diabetes. Therapeutisch und präventiv stehen Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Aktivität im Vordergrund. Medikamentöse Therapien sind bislang noch nicht etabliert, es gibt aber erste Studien.

Die NASH ist eine chronische Lebererkrankung, die histologisch einer alkoholischen Steatohepatitis gleicht, ohne daß anamnestisch ein nennenswerter Alkoholkonsum besteht. Daran hat Professor Alexander Gerbes vom Universitätsklinikum München-Großhadern auf einem von der Falk Foundation unterstützten Workshop in München erinnert. Hochrechnungen aus einer italienischen epidemiologischen Studie des Jahres 2001 legen nahe, daß in Europa etwa 20 Prozent der Bevölkerung eine Fettleber haben. Und jeder vierte von ihnen hat eine NASH.

Das heißt, daß NASH etwa fünf Prozent der Bevölkerung betrifft. Von diesen entwickelt nach Schätzungen jeder zehnte eine Leberzirrhose. NASH würde nach diesen Zahlen mehr Leberzirrhosen verursachen als etwa Hepatitis C, betonte Gerbes.

Hauptrisikofaktoren für eine NASH sind nach bisheriger Erkenntnis Übergewicht, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes sowie lebertoxische freie Radikale und Entzündungsmediatoren, die bei einem überlasteten Fett- und Zuckerstoffwechsel vermehrt entstehen.

Therapeutisch stehen eine langsame Gewichtsreduktion - ideal sind Diät und Bewegung - um mindestens zehn Prozent des Ausgangsgewichtes und die konsequente Kontrolle etwa eines Diabetes im Vordergrund. Zu rasches Abnehmen vermehrt lebertoxische Stoffwechselprodukte und bedeutet eine zusätzliche Belastung der Leber, warnte Gerbes vor Radikalkuren.

Nach wie vor gibt es noch keine etablierten medikamentösen Therapien. Bei NASH wurde in mehreren Studien für Ursodeoxycholsäure (etwa Ursofalk®) belegt, daß die Therapie die erhöhten Transaminasen gesenkt und und der morphologische Befund der Leber verbessert hat. Keinen solchen Effekt fanden dagegen andere Forscher.

In kleinen Pilotstudien wurde versucht, oxidativem Streß mit Vitamin E und der Insulinresistenz mit Glitazonen entgegen zu wirken und so NASH günstig zu beeinflussen. Die Ergebnisse seien teilweise ermutigend gewesen, so Gerbes.

STICHWORT

Risiken für NASH

Auch wenn etwa Übergewicht nicht reduziert oder ein Diabetes nicht gut kontrolliert ist, mündet nicht jede NASH in eine Leberfibrose oder -zirrhose. Das Zirrhose-Risiko und damit die Notwendigkeit einer Intervention nimmt bei NASH-Patienten aber mit der Zahl der Risikofaktoren zu. Dazu gehören: Alter über 45 Jahre, Body Mass Index über 28 kg / m2, GPT-Werte über dem Zweifachen der Norm, ein Quotient aus GOT zu GPT größer 1, manifester Diabetes Typ 2.

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