Ärzte Zeitung, 16.06.2005

Fettleber bei Kindern ist keine Seltenheit mehr

Transaminasen-Werte sollten bereits bei der ersten Konsultation kontrolliert werden  / Körperliche Aktivität bei Kindern deutlich gesunken

FREIBURG (ars). Bei Kindern mit Übergewicht oder Adipositas ist es ratsam, die Transaminasen zu kontrollieren, etwa bei der ersten Konsultation. Denn bei dieser Patientengruppe besteht - ähnlich wie bei adipösen Erwachsenen - ein hohes Risiko einer nicht-alkoholischen Fettleber-Erkrankung (NAFLD). Sind die Transaminasen erhöht, und bleiben sie sechs Monate hoch, sollte nach der Ursache geforscht werden.

Adipöses Mädchen bei ihrer Hausärztin. Wichtig sind eine Transaminasenkontrolle und der Rat zu mehr Bewegung. Foto: klaro

Kinder haben heutzutage öfter Übergewicht als früher, weil sie sich weniger bewegen, nicht etwa, weil sie mehr essen. So hat die Kalorienzufuhr in den vergangenen Jahren nur um ein Prozent zugenommen, die körperliche Aktivität dagegen ist um 13 Prozent gesunken, wie Dr. Ulrich Baumann aus Birmingham bei einem Symposium der Falk Foundation in Freiburg erläutert hat.

Eine Facette des Übergewichts ist, daß die Leber in Mitleidenschaft gezogen wird: Es kommt zu nicht-alkoholischen Fettleberschäden, die von den Alkohol-induzierten Veränderungen unterschieden werden. Ein Hinweis darauf sind erhöhte Transaminase-Werte. Vorschläge, etwa wie häufig Leberwerte kontrolliert werden sollten, werden noch in Leitlinien erarbeitet.

    80 Prozent der Kinder mit einer Fettleber sind übergewichtig.
   

Das Spektrum der NAFLD reicht von der Leberverfettung - weniger als die Hälfte der Hepatozyten enthält Fetttröpfchen - über die einfache Fettleber - mehr als die Hälfte der Hepatozyten enthält Fetttröpfchen - bis zur nicht-alkoholischen Steatohepatitis. Aus dieser aggressiven Form mit Hepatozyten-Degeneration und Fibrose kann schließlich eine Zirrhose entstehen.

Es gibt derzeit noch keine genauen Zahlen, wie häufig übergewichtige Kinder von NAFLD betroffen sind. Nach Schätzungen hätten weit mehr als zehn Prozent eine Entzündung und Verfettung der Leber, berichtete Baumann. In einer kleinen kanadischen Studie etwa hatten 17 von 24 übergewichtigen Patienten eine Leberfibrose; ein neunjähriges Kind hatte bereits eine Zirrhose.

Obwohl sie chronisch verläuft, eine unklare Prognose hat und relativ weit verbreitet ist, wird die NAFLD nur selten diagnostiziert. Nach Angaben von Baumann haben 80 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit NAFLD Übergewicht oder Adipositas, die übrigen sind zwar normalgewichtig, leiden aber oftmals an Diabetes.

Zur Diagnose dienen Ultraschall, die Anamnese von Fettleberschäden in der Familie und klinische Symptome wie Müdigkeit oder Beschwerden im Oberbauch. Ein weiterer Hinweis kann eine Acanthosis nigricans an Hals und Schultern sein: "Wegen dieser Hautveränderung sind gerade Kinder gern Opfer von Hänseleien, weil es aussieht, als würden sie sich nicht richtig waschen", sagte Baumann. Besteht bei dauerhaft erhöhten Leberwerten der Verdacht auf eine nicht-alkoholische Fettleber-Hepatitis, so kann eine Leberbiopsie weiterhelfen.

Die Langzeitprognose ohne Behandlung ist nur mäßig günstig: Das Risiko einer Leberfibrose liegt - zumindest für Erwachsene - in den folgenden fünf Jahren bei 23 Prozent und das für eine Leberzirrhose bei etwa 15 Prozent. Eine Früherkennung ist daher sinnvoll, auch deshalb, weil es noch keine etablierten Therapien gibt.

Was kann man Eltern von übergewichtigen Kindern empfehlen? Etwa darauf zu achten, daß Betroffene mehr Bewegung haben. Eltern sollten ihre Kinder zum Beispiel nicht so viel mit dem Auto herumfahren, sondern lieber selber laufen lassen.

Auch können Kalorien eingespart werden, wenn Kinder keine süßen Getränke bekommen. Von drastischen Diäten hält der Pädiater nichts, stattdessen sollten die Kinder ihr Gewicht halten und so langsam aus ihrem Fett herauswachsen.

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