Ärzte Zeitung, 08.06.2005

Schon sehr früh entscheidet sich, wer dick wird

Hohes Gewicht bei der Geburt, Schlafmangel und schnelles Wachstum sind Risikofaktoren für späteres Übergewicht

GLASGOW (run). Schon bei Kleinkindern lassen sich eindeutige Risikofaktoren für späteres Übergewicht ausmachen. Zu diesem Ergebnis ist eine britische Langzeitstudie gekommen. Das bedeute auch, daß schon sehr früh und nicht erst bei Jugendlichen mit der Prävention begonnen werden muß, so das Fazit der Autoren.

Ein übergewichtiges Kind rechnet in einer 6. Klasse. Besonders gefährdet, dick zu werden, sind Kinder mit hohem Fernsehkonsum und Schlafmangel. Foto: klaro

Die wichtigsten Risikofaktoren sind nach den Untersuchungen von Dr. John J. Reilly aus Glasgow und seinen Kollegen (Online-Publikation des "British Medical Journal"):

  • ein hohes Geburtsgewicht
  • Übergewicht bei den Eltern
  • ein Fernsehkonsum von mehr als acht Stunden pro Woche im Alter von drei Jahren
  • eine Schlafdauer von weniger als 10,5 Stunden pro Nacht im Alter von drei Jahren.

In einer Subgruppe ermittelten die Wissenschaftler als weitere unabhängige Risikofaktoren:

  • ein überdurchschnittlich hohes Gewicht mit acht und achtzehn Monaten
  • eine überdurchschnittlich schnelle Gewichtszunahme der Kleinkinder bereits im ersten Jahr nach der Geburt
  • schnelles Wachstum zwischen Geburt und zwei Jahren
  • die Entwicklung von viel Körperfett und eine Adipositas, die sich bereits im Vorschulalter der Kinder manifestiert.

Reilly und seine Kollegen sind zu diesen Ergebnissen gelangt, indem sie die Daten von über 8000 Kindern im Alter von sieben Jahren ausgewertet haben.

Die Daten stammten aus der Avon-Studie, einer Longitudinalstudie unter anderem zu Entwicklung und Gesundheit von Kindern ab der Geburt. Zudem wurden die Daten einer Subgruppe mit 900 Kindern analysiert, von denen besonders genaue Angaben zu Gewichtsentwicklung und Wachstum vorlagen.

Insgesamt waren danach 9,2 Prozent der Jungen und 8,1 Prozent der Mädchen im Alter von sieben Jahren übergewichtig. Übergewicht wurde dabei definiert als ein Überschreiten der 95. Perzentile. Dies entsprach einer Standardabweichung von 1,64 zum durchschnittlichen BMI gleichaltriger britischer Kindern.

Die genauen Mechanismen, über die die ermittelten Faktoren das Risiko für Übergewicht erhöhen, sind nach Angaben der Autoren komplex. Dazu gehörten genetische und habituelle Einflüsse ebenso wie hormonelle Faktoren.

Eines werde jedoch deutlich: Es sei das Umfeld im Kleinkindalter, das wesentlich das Risiko für späteres Übergewicht bestimme. Präventionsmaßnahmen müßten daher schon in diesem Alter ansetzen.

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