Direkt zum Inhaltsbereich

Viszerales Fett im Visier der Pharmakologen

MANNHEIM (hbr). Wieviel Fett verträgt ein Herz? Für Privatdozent Ulrich Kintscher aus Berlin kommt es auf die richtige Verteilung an: "Es muß an der richtigen Stelle sitzen." Und zum Abbau reichen Fasten und Sport selten.

Veröffentlicht:

Speziell das viszerale Fett ist gefährlich. Denn der gemeine Kugelbauch der stammbetonten Adipositas sei mit einem gesteigerten Risiko für Insulinresistenz verknüpft und dadurch mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko, so Professor Nikolaus Marx aus Ulm beim Kardiologenkongreß in Mannheim.

Die Insulinresistenz sei wahrscheinlich Bindeglied zwischen Adipositas und Herz-Kreislauf-Krankheiten, so Kintscher bei einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim.

Zusammenhänge zwischen Bauchfett, Insulinresistenz, Diabetes, Hypertonie und vaskulären Erkrankungen sieht auch Professor Oliver Schnell aus München. Dabei können Patienten der Adipositas zwar durch gesunde Ernährung und mehr Bewegung zu Leibe rücken - genauso, wie das umgekehrte Verhalten eine Insulinresistenz fördern kann.

Dieses Hinwenden zum gesunden Leben sei nur die Basis der Therapie, so Schnell. Zwar sind entsprechende Programme oft erfolgreich. Bloß: Die Lebensstil-Änderungen werden in solchen Programmen meist intensiv gefördert. Ist die Studie vorbei, geht der Erfolg oft verloren.

Gewichtsreduzierende Präparate, die speziell auf den viszeralen Speck wirken, stehen nicht zur Verfügung. Einen Ansatz bieten die zur oralen Diabetestherapie verwendeten Aktivatoren des PPAR-Gamma-Rezeptors (Peroxisomen Proliferator-aktivierter Rezeptor-gamma), die Glitazone. Sie verringern die Insulinresistenz. Dabei führen sie auch zu einer Umverteilung des Körperfettes von der viszeralen auf die subkutane Ebene. "Das ist meines Wissens der einzige Ansatz, um das viszerale Fettgewebe direkt anzusteuern", sagt Kintscher.

Er hofft auf die Sartan-Therapie. Zur Erinnerung: Telmisartan (vom Unternehmen als Micardis® angeboten) etwa aktiviert den PPAR-Gamma-Rezeptor partiell. In Studien bei Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom senkte es den Blutdruck und die Insulinresistenz, die vor dem Typ-2-Diabetes auftritt.

Und bei Patienten mit Prä-Diabetes, die einen AT1-Blocker erhielten, sank die Rate neuer Diabetes-Manifestationen in drei bis vier Jahren um bis zu 30 Prozent: "Dabei könnte etwa die PPAR-Gamma-Aktivierung eine Bedeutung haben", sagt Schnell.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Doch kein Synergismus?

Trainingseffekte womöglich durch Metformin abgeschwächt

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Lesetipps
Dreidimensionale gerenderte Darstellung der Anatomie des menschlichen Herzens.

© PIC4U / stock.adobe.com

Schutzmechanismus entdeckt?

Warum Krebs im Herzen selten vorkommt

Eine Frau hat einen kleinen Ventilator in der Hand.

© Marcus Brandt/dpa

Auf einen Blick

Unsere Beiträge zum Thema Hitze in der Übersicht