Ärzte Zeitung, 08.06.2006

Medienkonsum fördert Adipositas bei Kindern

Daten von Schuleingangsuntersuchungen ausgewertet

BERLIN (gvg). Unter Kindern, die viel fernsehen, sind Übergewicht und Adipositas doppelt so häufig wie unter Kindern, die nicht oder kaum Medien konsumieren. Das geht aus Daten von Schuleingangsuntersuchungen in Bayern hervor.

Die Zahlen wurden vor kurzem auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Berlin vorgestellt. "Kinder, die mehr als zwei Stunden pro Tag mit Fernsehen oder mit elektronischen Medien verbringen, haben eine zehnprozentige Chance, übergewichtig zu sein", sagte DGEM-Präsident Professor Berthold Koletzko vom Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Bei Kindern, die in der Schuleingangsuntersuchung "kein Medienkonsum" angaben, waren es nur 4,3 Prozent.

Als Übergewicht galt - wie bei Kindern üblich - jenes Gewicht, das drei bis sieben Prozent aller Kinder in diesem Alter hatten.

Bei den adipösen Kindern - also mit einem Gewicht jenseits der 97. Perzentile - verhielt es sich ähnlich: 4,8 Prozent der Kinder, die über zwei Stunden täglich mit Medien verbringen, seien adipös, so Koletzko, dagegen nur zwei Prozent bei Kindern ohne Medienkonsum.

"Aus einer Erhebung des Gesundheitsamts Mannheim wissen wir zudem, daß 24 Prozent aller Fünf- bis Sechsjährigen einen eigenen Fernseher im Zimmer haben", so Koletzko. Dadurch sei in vielen Familien kaum mehr eine Kontrolle des Konsums möglich.

Auch die Ergebnisse von Musterungsuntersuchungen bestätigten, daß der internationale Trend zur Dickleibigkeit an Deutschland nicht vorbeigehe, betonte Koletzko. Hätten 1989 noch drei Prozent aller 19jährigen einen BMI über 30 gehabt, so seien es inzwischen schon sechs Prozent.

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