Diabetes

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 17.10.2007

Arznei drosselt Gewicht und bessert Lipidwerte

Rimonabant beeinflusst Stoffwechsel unabhängig von Gewichtsreduktion / Auch periphere Cannabinoid-Rezeptoren werden blockiert

MÜNCHEN (wst). Rimonabant leistet mehr, als nur die Gewichtsabnahme zu unterstützen. Über die Blockaden peripherer Cannabinoid-Rezeptoren werden metabolische Parameter auch direkt und unabhängig von einem Gewichtsverlust günstig beeinflusst.

Das Endocannabinoid-System ist entscheidend an der Regulation der Aufnahme und Verstoffwechselung von Nahrung beteiligt. Daran hat der Internist Professor Matthias Blüher von der Universitätsklinik Leipzig bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis in München erinnert. Mit dem selektiven Cannabinoid (CB)1-Rezeptorblocker Rimonabant (Acomplia®) wird zentral und peripher in dieses komplexe System eingegriffen.

Durch die Blockade zentraler CB-1-Rezeptoren im Hypothalamus oder Nucleus accumbens wird das Hungergefühl und vor allem die Lust auf Zucker- und fettreiche Speisen gedämpft, wie Blüher weiter ausführte. Diätempfehlungen zu befolgen, falle auf diese Weise leichter.

In der Zulassungsstudie RIO* Europe haben die vorher stabil hoch übergewichtigen Patienten unter der Medikation mit 20 mg Rimonabant innerhalb eines Jahres im Durchschnitt 6,6 Kilogramm abgenommen. Und der Taillenumfang der Studienteilnehmer schrumpfte durchschnittlich um 6,5 Zentimeter.

Wie die beiden Substudien RIO Lipids und RIO Diabetes zeigten, kam zur Gewichtsreduktion mit Rimonabant eine durchschnittliche Steigerung des HDL-Cholesterin-Wertes um 19,1 Prozent hinzu sowie ein Abfall des Triglycerid-Spiegels um 12,6 Prozent und eine Verringerung des HbA1c-Wertes um 0,7 Prozentpunkte. Außerdem hätten Analysen der gepoolten RIO-Daten ergeben, dass die Korrektur des Stoffwechselprofils nur etwa zur Hälfte durch den Gewichtsverlust bedingt war, betonte Blüher.

Die andere Hälfte erkläre sich wohl durch direkte Einflussnahmen von Rimonabant auf periphere CB1-Rezeptoren. So erhöht die Blockade von CB1-Rezeptoren im Fettgewebe die Adiponektin-Freisetzung, und die Lipogenese wird vermindert. Dyslipidämie und Insulinresistenz werden reduziert. Ähnlich wirkt sich die verminderte hepatische Lipogenese infolge einer Hemmung von CB1-Rezeptoren in der Leber aus. Die Blockade von CB1-Rezeptoren in Skelettmuskeln erleichtert wiederum die Glukoseaufnahme in Muskelzellen und reduziert damit die Insulinresistenz zusätzlich.

* RIO: Rimonabant in Obesity. In das internationale Studienprogramm wurden mehr als 6000 übergewichtige Patienten mit und ohne Dyslipidämie und Diabetes einbezogen. Das Programm wurde in regionale und diagnosespezifische Substudien aufgeteilt.

Harte klinische Endpunkte

Auch wenn der günstige Einfluss von Rimonabant auf Gewicht und zusätzliche metabolische Faktoren eine verbesserte Prognose von kardiometabolischen Risikopatienten erwarten lässt, steht der klinische Beweis hierfür noch aus. Rimonabant werde noch nicht lange genug eingesetzt, um schon jetzt eine signifikante Reduktion kardio- oder zerebrovaskulärer Ereignisse nachzuweisen, sagt der Internist Professor Matthias Blüher. Entsprechende Studien mit harten klinischen Endpunkten sind jedoch bereits auf den Weg gebracht. Erste Ergebnisse werden für 2009 erhofft. (wst)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »