Samstag, 11. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 10.04.2009

Braunes Fettgewebe: Schlüssel zum Abbau von Übergewicht?

Braunes Fett verbrennt Kalorien zu Wärme / Möglichkeit zur Adipositas-Therapie

BOSTON/MAASTRICHT/TURKU (ars). Die einen futtern jede Menge und bleiben schlank, die anderen jammern, sie würden schon beim bloßen Anblick von Essen dick. Diese Ungerechtigkeit könnte am braunen Fettgewebe liegen, wie mehrere Studien nahelegen. Die Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, durch Stimulierung dieses "guten Fetts" Pfunde purzeln zu lassen und damit den Folgekrankheiten einer Adipositas vorzubeugen.

Braunes Fettgewebe setzt - anders als weißes - Kalorien nicht in Körperfett, sondern in Wärme um. Zum Beispiel kann eine so kleine Menge wie 50 Gramm den Energieverbrauch um 20 Prozent steigern. Bisher wurde braunes Fett nur bei Babys vermutet, aber nun steht fest, dass es auch bei Erwachsenen vorkommt, und zwar hauptsächlich unterhalb der Schlüsselbeine.

Das haben US-Forscher aus Boston nachgewiesen, indem sie PET/CT-Aufnahmen mit radioaktiv markierter Glukose auswerteten. Frauen besaßen es - mit 7,5 Prozent im Vergleich zu 3,1 Prozent bei Männern - nicht nur häufiger, sondern bei ihnen waren auch Menge und Aktivität höher. Vorkommen, Menge und Aktivität nahmen mit dem Alter ab und waren zudem um so geringer, je mehr weißes Fett die Teilnehmer hatten NEJM 360, 2009, 1509).

Bestätigt werden diese Resultate durch niederländische Wissenschaftler, die 24 gesunde junge Männer - teils schlank, teils dick - mit dem gleichen Verfahren untersucht hatten, und zwar bei 16º C und 22º C. Alle außer einem hatten braunes Fettgewebe, das insgesamt bei der kühleren Temperatur mehr Wärme produzierte als bei der höheren. Bei den Schlanken wiederum war dieser Effekt ausgeprägter als bei den Übergewichtigen (NEJM 360, 2009, 1500).

Finnische Forscher fanden, dass bei Kälte die Glukose-Aufnahme des braunen Fetts ums 15-Fache gesteigert ist, sie wiesen ein Protein nach, das die Wärmebildung ermöglicht, und zeigten durch Biopsien, dass die Lipidtröpfchen in den Zellen an vielen Stellen verteilt vorliegen (NEJM 360, 2009, 1518). Alle drei Forschergruppen schlagen vor, das braune Fettgewebe durch Arzneien zu stimulieren, so den Energieverbrauch zu steigern und damit Übergewicht vorzubeugen oder abzubauen.

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