Ärzte Zeitung, 07.12.2009
Adipositas überholt Rauchen als Gesundheitsproblem
Steigender Anteil Adipöser senkt die mögliche Lebenserwartung um fast ein Jahr
BOSTON (mut). Immer weniger Menschen rauchen - das erhöht
die Lebenserwartung in der Bevölkerung. Zugleich werden die Menschen
aber immer dicker - und das wiegt nach neuen US-Daten schwerer als der
Rauchverzicht.

Immer mehr Adipöse - das dämpft den Anstieg der Lebenserwartung.
Foto:dpa
Die Lebenserwartung in der Bevölkerung wird voraussichtlich zwar
auch in Zukunft weiter steigen, aber deutlich langsamer als in den
vergangenen Jahrzehnten - hauptsächlich, weil die Menschen immer dicker
werden. Darauf weisen Forscher aus Boston hin (NEJM 361, 2009, 2252).
Sie hatten Daten von drei großen Populationsstudienüber 30 Jahre mit
über 100 000 Teilnehmern analysiert. Rauchte in den USA in den
70er Jahren noch etwa ein Drittel der Bevölkerung, sank dieser Anteil
bis zum Jahr 2005 auf etwa ein Fünftel. Im selben Zeitraum stieg der
Durchschnitts-BMI von 25 auf über 28 - ähnliche Veränderungen werden
zeitverzögert auch in Deutschland beobachtet. Sollte sich dieser Trend
in den nächsten zehn Jahren fortsetzen, so ist bei 18-Jährigen im Jahr
2020 mit einer Lebenserwartung von im Schnitt 81 Jahren auszugehen,
bliebe der Anteil von Rauchern und Adipösen hingegen auf dem Niveau wie
in den 90er Jahren, wären es 81,7 Jahre.
Voraussichtlich, so die Autoren, werde also in den kommenden Jahren
und Jahrzehnten der Nutzen durch sinkende Raucherzahlen auf die
Gesundheit der Bevölkerung durch den steigenden Anteil Übergewichtiger
mehr als aufgefressen.
Würden dagegen alle Menschen mit dem Rauchen aufhören und zu einem
normalen Gewicht zurückkehren, wäre die Lebenserwartung um etwa 4,5
Jahre höher als im berechneten Szenario.

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