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Hintergrund

Fettleibigkeit nimmt weltweit zu, Blutdruck und Cholesterin sinken leicht

Übergewicht und Fettleibigkeit sind schon lange kein auf sogenannte Wohlstandsländer beschränktes Phänomen mehr - sie sind ein globales Problem. Eine systematische Analyse, die in rund 200 Ländern erhobene Langzeitdaten zur Grundlage hat, führt dies deutlich vor Augen.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Schlank ist nur der Hund, doch das Frauchen dürfte zu den 1,5 Milliarden Menschen zählen, die weltweit als übergewichtig gelten.

Schlank ist nur der Hund, doch das Frauchen dürfte zu den 1,5 Milliarden Menschen zählen, die weltweit als übergewichtig gelten.

© dpa

Die Zahl der übergewichtigen oder fettleibigen Menschen hat sich weltweit in den vergangenen drei Jahrzehnten nahezu verdoppelt. Im Jahr 2008 waren es rund 1,5 Milliarden Menschen, deren Body-Mass-Index (BMI = 25) sie als übergewichtig qualifizierte.

Etwa eine halbe Milliarde Menschen erfüllten gar das Kriterium der Fettleibigkeit (BMI = 30). Die Prävalenz der Adipositas betrug 2008 bei Frauen 13,8 Prozent und bei Männern 9,8 Prozent. Im Jahr 1980 waren es noch 7,9 Prozent der Frauen und 4,8 Prozent der Männer, die als adipös eingestuft wurden.

Die stetig zunehmende Körperfülle sei längst nicht mehr nur ein Problem der westlichen Industrienationen, sondern habe sich in Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen ausgebreitet, berichtet eine Forschergruppe um Dr. Majid Ezzati aus London.

Diese Gruppe hat in einer groß angelegten Langzeitstudie die Entwicklungstrends bei den kardiovaskulären Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck und Cholesterinspiegel in den letzten 30 Jahren unter die Lupe genommen und die Ergebnisse jetzt in drei separaten Publikationen online im Fachblatt "The Lancet" präsentiert, Für die umfangreiche Untersuchung wurden epidemiologische Daten aus 199 Ländern und Regionen analysiert.

Global ist danach der mittlere BMI seit 1980 stetig angestiegen. Dies gilt, mit Ausnahme etwa von Südasien und Zentralafrika bei den Männern, für alle Regionen der Welt. Allerdings ist der graduelle Anstieg in einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Die pazifischen Länder nehmen dabei den Spitzenplatz ein. Hier betrug der mittlere BMI-Anstieg pro Dekade zum Teil mehr als 2 kg/m2.

Im weltweiten Mittel hatten Frauen im Jahr 2008 einen BMI von 23,8 kg/m2, Männer einen von 24,1 kg/m2. Am deutlichsten wurde dieser Mittelwert in den Ländern Ozeaniens überschritten, wo der BMI bei Frauen 33,9 kg/m2 und bei Männern 35 kg/m2 betrug.

Unter den Ländern mit relativ hohen Einkommen rangierten die USA und Neuseeland ganz oben. In den USA lag der mittlere BMI der Männer bei 28,4 kg/m2. Deutschland steht noch vergleichsweise gut da.

Deutschlands Frauen liegen mit einem BMI von 25,7 kg/m2 im Jahr 2008 über dem globalen Mittel, die Männer mit 27,2 kg/m2 sogar deutlich darüber.

1980 hatten Frauen hierzulande noch einen BMI von 24,7 kg/m2, bei Männer waren es 25,5 kg/m2. Den niedrigsten BMI und damit anscheinend das geringste Problem mit überschüssigen Pfunden hat Japan.

Die beim BMI festgestellten ungünstigen Veränderungen korrelierten nicht unbedingt mit entsprechenden Trends bei den Blutdruck- und Cholesterinwerten.

Im weltweiten Mittel lag der systolische Blutdruck 2008 bei 128,1 mmHg. (Männer) und 124,4 mmHg (Frauen). Zwischen 1980 und 2008 war hier pro Dekade eine Abnahme um 0,9 mmHg (Männer) und 1,0 mmHg (Frauen) zu verzeichnen.

Auch beim Blutdruck gab es unterschiedliche regionale Trends. Speziell in Westeuropa nahm der systolische Blutdruck bei Frauen pro Dekade um immerhin 3,5 mmHg ab.

Unter den Industrieländern waren es die USA, wo bei Männern die Blutdruckabnahme mit 2,8 mmHg pro Dekade besonders ausgeprägt war. Deutschland liegt im Mittelfeld, die Blutdruckwerte haben sich aber auch hier in den letzten 30 Jahren verbessert.

In einigen Regionen mit niedrigen oder mittleren Einkommen - so etwa in West- und Ostafrika - war dagegen ein Anstieg der Blutdruckwerte zu beobachten.

In Bezug auf das Gesamtcholesterin gab es aus globaler Sicht nur relativ geringe Veränderungen, wobei die Abnahme pro Dekade weniger als 0,1 mmol/l (etwa 3,9 mg/dl) betrug.

Speziell in einkommensstarken Industrieregionen wie den USA und Westeuropa fiel diese Abnahme mit 0,2 mmol/l (etwa 7,8 mg/dl) allerdings etwas deutlicher aus.

Der Wermutstropfen: Gerade in diesen Regionen war der mittlere Wert für das Gesamtcholesterin im weltweiten Vergleich im Jahr 2008 mit knapp 205 mg/dl am höchsten.

Lesen Sie dazu auch: Die ganze Welt erweitert stetig ihren Bauchumfang

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