Ärzte Zeitung, 24.01.2012

Magen-Op schützt vor Infarkt-Tod

GÖTEBORG (eis). Extrem übergewichtige Patienten profitieren von Adipositas-Chirurgie. Binnen 15 Jahren hatten Operierte 30 Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse und 50 Prozent weniger Todesfälle als Nicht-Operierte, wie eine schwedische Studie ergeben hat.

Magen-Op schützt bei Adipositas vor Tod durch Infarkt

Bauchpinsel - und das Risiko für den Tod durch Infarkt senken.

© David Ebener / dpa

Forscher um Dr. Lars Sjöström vom Sahlgrenska University Hospital in Göteborg haben in der prospektiven Swedish Obese Subjects (SOS) Study 2010 Patienten (mittlerer BMI von 42) mit Adipositas-Chirurgie versorgt (Magenband, Magenbypass, vertical banded gastroplasty).

2037 adipöse Patienten ohne Eingriff (mittlerer BMI 40) mit normaler gesundheitlicher Versorgung dienten als Kontrollgruppe (JAMA 2012; 307: 56).

Die Patienten verloren nach der Operation deutlich an Gewicht und konnten im Mittel ein 18 Prozent verringertes Körpergewicht auch nach knapp 15 Jahren Nachbeobachtungszeit noch halten.

Die Patienten der Kontrollgruppe brachten nach dieser Zeit nur etwa ein Prozent weniger Gewicht auf die Waage.

Erstmals belegt

Die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse war bei Operierten stark reduziert. So starben in den 15 Jahren 28 Patienten der Interventionsgruppe und 49 in der Kontrollgruppe an einem solchen Ereignis.

Nach Adipositas-Chirurgie gab es insgesamt 199 Herz infarkte und Schlaganfälle, im Vergleich zu 234 in der Kontrollgruppe. Die Risikoreduktion war unabhängig vom Ausmaß des Gewichtsverlusts.

"Erstmals wurde in einer prospektiven kontrollierten Studie belegt, dass Adipositas-Chirurgie kardiovaskulären Ereignissen vorbeugt", so die Forscher.

Die Eingriffe wirken sich zudem positiv auf Lebensqualität, Krebsrate und Diabetes aus.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Adipositas-Op mit vielfältigem Nutzen

[24.01.2012, 19:05:08]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Chirurgische Alternativen für Adipositas?
Ich habe der bariatrischen Chirurgie früher kritisch gegenüber gestanden. Die durch auffälliges Essverhalten getriggerte Adipositas schien mir immer durch Motivation, Mobilisation und Modulation des Verhaltens therapierbar. Doch mittlerweile hat die Inzidenz der extremen Adipositas mit entsprechenden Komorbiditäten (Hypertonie, KHK, metabolisches Syndrom, Diabetes, Schlafapnoe, Polyarthrosen, Apoplexie, Demenzrisiko) derart zugenommen, dass traditionelle Therapiemaßnahmen nicht mehr ausreichen.

Dazu 2 Fallbeispiele:
Pat. J.H., männlich, 50 Jahre alt, 1 Sohn, 1 Tochter, seit Febr. 2010 in meiner Praxis, bekam vor 11 Jahren bei 150 kg und 187 cm Größe (BMI 43) eine Magenbandoperation. Ein seit 17 Jahren bestehender Typ 2 Diabetes wurde mit Metformin und Lantus (BOT), später mit Basis-Bolus-System und mahlzeitenadaptierten Novorapid-Injektionen behandelt. Hypertonie mit Ramipril, Schlafapnoe mit CPAP-Maskenbeatmung therapiert. Unter Metformin/Lantus HbA1c noch bis 8,3. Bei Neueinstellung des Diabetes mit Metformin/Sitagliptin und verbesserter Diätschulung HbA1c zuletzt 7,4. Zunehmende Coxarthrose-Beschwerden, rezid. LWS-Blockierung. Pulmonal, renal und blutdruckmäßig stabilisiert. BMI derzeit zwischen 33 und 34. Prognose schwierig, Diabeteseinstellung problematisch, Insulintherapie bei Adipositas eher kontraproduktiv.

Pat. F.U., weiblich, 37 Jahre alt, 1 Sohn, seit 2008 in meiner Praxis. Im 10. LJ 60 kg, im 20. LJ 130 kg. 1994-2000 ambulante Psychotherapie. 1999 REHA-Fachklinik; bei Entlassung 116 kg bei 167 cm Größe (BMI 41,6). 2010 trotz mehrfacher Diätbemühungen 155 kg schwer (BMI 55,6). Polyarthrosen, LWS-Syndrom, klinisch korrigierte Hypothyreose, metabolisches Syndrom, beginnender Typ 2 Diabetes mit HbA1c 6,4. Juli 2011 Magenresektion (Gastric Sleeve Resection); verbliebener Schlauchmagen 50 ml, Resektat 1300 ml Volumen; mit komplikationslosem postoperativen Verlauf. Vitamin B12-Substitution, L-Thyroxin 150 ug. Pat. derzeit 105 kg entsprechend BMI von 37,6. Deutlich aufgehellte Stimmung, Motivationsschub für weitere Gewichtsreduktion und psychosoziale Aktivitäten.

Positive Auswirkungen auf Lebensqualität und Morbiditätsentwicklung durch die bariatrische Adipositas-Chirurgie kann ich aus hausärztlicher Sicht in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dortmunder OP-Zentrum nur bestätigen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »