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Appetitzügler

Endokrinologen raten zur Vorsicht

Seit vielen Jahren ist ein neuer Appetitzügler auf dem Markt. Experten raten zur Vorsicht - und verweisen auf Erfahrungen mit älteren Präparaten.

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Lieber zügeln? Vorsicht mit Anorektika.

Lieber zügeln? Vorsicht mit Anorektika.

© Lisa F. Young / fotolia.com

NEU-ISENBURG (eb). Die US-Arzneibehörde FDA hat erstmals seit über zehn Jahren zwei neue Medikamente zur Gewichtsreduktion zugelassen.

Gerade für übergewichtige Menschen mit Diabetes könnten die Medikamente hilfreich sein, um abzunehmen und den Zuckerstoffwechsel zu verbessern, betont die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in einer Mitteilung.

Eine Zulassung sei auch in der Europäischen Union absehbar. Wegen begrenzter Wirkung der neuen Arzneien und angesichts früherer negativer Erfahrungen mit Appetitzüglern raten Hormonexperten der DGE aber zu einer abwartenden Haltung.

In den USA wurde Ende Juni Belviq® (Lorcaserin) zugelassen, drei Wochen später folgte Qsymia® (Qnexa). Der Serotonin 2C-Rezeptor-Agonist Lorcaserin aktiviert im Gehirn Appetit-hemmende Nervenzellen.

Als Nebenwirkungen können Kopfweh, Übelkeit und Verstopfung auftreten. Qnexa ist eine Kombination aus dem Amphetamin Phentermin und dem Antiepileptikum Topiramat in Retard-Form.

In Studien erhielten die Teilnehmer das Präparat diätunterstützend und nahmen etwa zehn Prozent des Körpergewichts ab.

Beide Wirkstoffe sind nur bei Adipösen mit BMI über 30 zugelassen sowie bei Übergewichtigen (BMI über 27) mit Risikofaktoren wie Diabetes, Hypertonie oder Hyperlipidämie, erläutert Professor Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE.

Der Bochumer Hormonexperte betont in der Mitteilung: "Die Wirkstoffe sind keine Lifestyle-Medikamente, die schnelle Gewichtsabnahme ohne Diät ermöglichen."

Warnende Beispiele

Schatz weist zudem auf weitere unerwünschte Wirkungen hin: Qnexa beschleunigt die Herzfrequenz. Die Einnahme in der Schwangerschaft ist kontraindiziert und birgt für ungeborene Kinder ein Risiko für Lippen- oder Gaumenspalten.

Lorcaserin habe in Tierversuchen Krebs ausgelöst, was sich allerdings in den klinischen Studien nicht bestätigt hat, so der DGE-Experte.

"Bei den ersten Medikamenten dieser Art, die jetzt nicht mehr erhältlich sind, traten die Risiken erst zutage, als diese schon längere Zeit auf dem Markt waren", berichtet Professor Schatz.

"Deshalb ist bei neuen Medikamenten zur Gewichtsreduktion Vorsicht geboten." Ein mahnendes Beispiel sei das unter dem Namen Mediator® bekannte Präparat mit dem Wirkstoff Benfluorex.

Trotz bekannter Risiken war es in Frankreich bis 2009 zugelassen. Nach Schätzungen sind während dieser Zeit 1300 Menschen, die Mediator® einnahmen, an Herzklappenfehlern gestorben.

Weitere 3000 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Im Mai 2012 begann in Frankreich ein Prozess gegen den Hersteller, der Mediator® als "Diabetes-Medikament" vertrieb, obwohl die schädigenden Effekte bekannt waren. Das Urteil steht noch aus.

In Deutschland war dieses Medikament nie zugelassen.In den letzten Jahrzehnten mussten immer wieder Appetitzügler wegen erheblicher Nebenwirkungen vom Markt genommen werden.

Im Oktober 2008 entschied die Europäische Arzneimittelkommission, die Zulassung von Acomplia® (Wirkstoff: Rimonabant) ruhen zu lassen, da es schwere psychische Krisen bis hin zu Selbstmordgedanken auslösen kann.

Reductil® (Wirkstoff: Sibutramin) wird wegen erheblicher Risiken für Herz und Kreislauf seit 2010 nicht mehr eingesetzt. In Deutschland ist derzeit nur noch Xenical® verfügbar.

"Dessen Wirkstoff Orlistat hemmt die Fettverdauung im Darm und senkt dadurch die Kalorienzufuhr. Das Mittel hat sich als sicher erwiesen, ist aber wegen seiner abführenden Wirkung nicht sehr beliebt", berichtet Schatz.

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