Ärzte Zeitung, 07.10.2012

Gebrandmarkt

Dicke haben es oft schwer

GÖTTINGEN (dpa). Jeder vierte Bundesbürger brandmarkt Übergewichtige als soziale Randgruppe. Das haben Forscher der Universitätsmedizin Göttingen in einer repräsentativen Studie mit rund 1000 Teilnehmern herausgefunden.

23 Prozent der Befragten stigmatisieren Dicke aufgrund ihres Gewichts. Dabei helfe die Stigmatisierung den Übergewichtigen nicht und motiviere sie auch nicht zum Abnehmen. Im Gegenteil: Die Probleme werden verschlimmert.

Stigmatisierung könne bei Übergewichtigen zu Depressionen und geringem Selbstwertgefühl führen, sagte der Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie, Privatdozent Thomas Ellrott. Außerdem werde die Wahrscheinlichkeit des Abnehmens verringert.

Auch Nachteile im Beruf

Die Stigmatisierung von Dicken nimmt mit dem Alter der Befragten zu.

Zudem stigmatisieren Frauen stärker als Männer, Ostdeutsche häufiger als Westdeutsche und Normalgewichtige öfter als Übergewichtige. Mit zunehmender Bildung nimmt die Stigmatisierung deutlich ab.

Übergewichtige müssen aufgrund ihres Gewichts auch mit Nachteilen im Beruf rechnen. 14 Prozent der Bundesbürger würden, wenn sie Personalentscheidungen zu treffen hätten, keine Dicken einstellen.

Übergewicht allein als Folge von Willensschwäche und Faulheit anzusehen, sei wissenschaftlich widerlegt, erklärte Ellrott.

Teile der Gesellschaft dürften Übergewichtige nicht länger als Menschen zweiter Klasse betrachten, sondern sollten ihnen ohne Vorurteile fair begegnen.

[08.10.2012, 11:02:08]
Dr. Leoluca Criscione 
Stigmatisierung ist kategorisch abzulehnen...aber
Stigmatisierung der „Dicken“, wie in diesem Artikel beschrieben wird, ist kategorisch abzulehnen!
Allerdings, die Aussage von Kollege Dr. Ellrott, wonach „Übergewicht allein als Folge von Willensschwäche und Faulheit anzusehen, sei wissenschaftlich widerlegt“, wird von der Geschichte der Menschheit widerlegt, wie die beigelegte Abbildung deutlich genug zeigt!
Mit solchen Aussagen muss man, vor allem als Fachmann, sehr vorsichtig sein: sie unterstützen die sehr verbreitete Meinung: “ich kann nichts dafür, dass ich dick bin“!
Es muss für ALLE klar sein: Auch wenn eine genetische Komponente mitverantwortlich sein kann, in der Tat NIEMAND aus dieser Welt ist verurteilt dick zu sein und zu bleiben! Wird diese TATSACHE nicht deutlich genug mitgetragen, werden wir NIE in der Lage sein das Übergewicht zu beseitigen!
Übergewicht und seine Folgeerscheinungen (Diabetes, Herzkreislaufstörungen, Krebs, usw.) lassen sich NUR durch eine neutrale, wissenschaftlich objektive und unabhängige Aufklärungskampagne beseitigen! Wir haben vor zirka 2 Jahren mit dem Buch: „Gesund essen und dick sterben“ eine solche Aufklärungskampagne angefangen! Im Buch wird deutlich gezeigt, warum man AUCH mir einer „gesunden“ Ernährung "dick werden kann"!
Übrigens: Die deutsche Version des Buches wird in der Abteilung Übergewicht, Adipositas, Diabetes und Stoffwechselstörungen des Inselspitals in Bern zur didaktischen Aufklärung der Patient/innen verwendet! Die weitere Verbreitung des Buches wird hauptsächlich dadurch erschwert, dass es zwei 'unliebsamen' Kapiteln enthält! Der erste lautet: „Die Wissenschaft ernährt die Konfusion“ und der weite: „Medikamenten zum Abnehmen?...NEIN Danke!“
Gesunde Grüsse aus der Schweiz
Dr. pharm. Leoluca Criscione
http://www.vitasanas.ch/wp/wp-content/uploads/2012/07/NIEMAND-destined-deutch.jpg
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