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Das Diabetes-Paradoxon

Ein paar Kilo mehr nützen

Übergewicht ist ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. Wird die Diagnose aber tatsächlich gestellt, ist eine schlanke Linie nicht unbedingt von Vorteil. Das hat eine Studie gezeigt - und sie ist nicht die erste.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Normales Gewicht - nur selten ist das von Nachteil.

Normales Gewicht - nur selten ist das von Nachteil.

© PeJo / fotolia.com

GLASGOW. Britische Forscher hatten sich die Krankenakten von mehr als 100.000 Schotten mit Typ-2-Diabetes angesehen, bei denen um den Zeitpunkt der Diabetesdiagnose herum auch der Body-Mass-Index bestimmt worden war.

Untersucht wurde die Sterberate der Patienten in Abhängigkeit von BMI-Werten zwischen 20 und 50 kg/m2. Todesfälle in den ersten beiden Jahren gingen nicht in die Berechnung ein, weil hier vorbestehende tödliche Erkrankungen den BMI beeinflusst haben könnten.

Der mittlere Follow-up betrug 4,6 Jahre bei einer Standardabweichung von 3,3 Jahren. Im Ergebnis zeigte sich ein U-förmiger Verlauf der Mortalitätskurve, die zudem nach rechts verschoben war (Diabetes Care 2012; online 8. November).

Das niedrigste Sterberisiko hatten Diabetiker mit einem BMI zwischen 25 und 30. Demgegenüber war die Sterberate bei diabeteskranken Männern mit einem normalen BMI zwischen 20 und 25 um 22 Prozent, bei Frauen um 32 Prozent erhöht.

Statistisch bedeutsame Anstiege der Mortalität waren erst wieder ab BMI-Werten über 35 zu verzeichnen.

Bei einem BMI zwischen 45 und 50 lag die Sterberate unter Männern um 70 Prozent und bei den Frauen um 80 Prozent höher als bei jenen, die zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose laut BMI leichtes bis mäßiges Übergewicht gehabt hatten.

Aggressivere Pathophysiologie?

Die zunehmende Mortalität mit steigendem BMI ist weniger rätselhaft als die ebenfalls erhöhte Sterberate bei schlanken Menschen, bei denen ein Typ-2-Diabetes festgestellt wird.

"Personen, die zum Zeitpunkt der Diagnose eine geringe Körpermasse haben, weisen womöglich eine abweichende, potenziell aggressivere Pathophysiologie auf", mutmaßen die britischen Wissenschaftler von den Universitäten Glasgow und Edinburgh.

Sie könnten empfindlicher auf gespeichertes viszerales Fett reagieren oder eine stärkere genetische Neigung zur Insulinresistenz besitzen. Auch könnte es sein, dass ihre Inselzellen früher versagen.

Dass sich das von Herzinsuffizienz und Bluthochdruck her bekannte "Adipositas-Paradox" auch auf den Diabetes erstreckt, haben auch andere Forschergruppen schon berichtet.

So hatten auch Forscher um Dr. Mercedes R. Carnethon festgestellt, dass frisch mit einer Diabetesdiagnose versehene Normalgewichtige über einen Zeitraum von 15 Jahren betrachtet eine höhere Mortalität aufweisen als Übergewichtige oder Adipöse (JAMA 2012; 308: 581-90).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Weniger bleibt mehr

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