Diabetes

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 17.06.2013

Mahlzeit

Verkannte Kalorienbomben weit verbreitet

Essen gehen ist ungesund - zumindest in Nordamerika. Eine gewöhnliche Mahlzeit deckt bereits zwei Drittel des Kalorien-Tagesbedarfs. Und das nicht nur in Fast-Food-Tempeln.

Von Thomas Müller

Verkannte Kalorienbomben weit verbreitet

Wer "Fettuccini Alfredo" beim Italiener isst, sollte Gedanken an die darin enthaltenen Kalorien vermeiden.

© Lilyana Vynogradova / fotolia.com

TORONTO/BOSTON/ATLANTA. Der Schein trügt tatsächlich nicht: Wer in Nordamerika Essen geht, bekommt in der Regel eine Mahlzeit aufgetischt, von der ohne Probleme zwei Personen satt werden könnten.

Das bestätigen jetzt zwei Untersuchungen in den USA und Kanada. Dabei scheint es fast egal zu sein, ob man sich für eine der beliebten Fast-Food-Ketten entscheidet oder eher für den Italiener nebenan.

Es werden daher Stimmen laut, die eine striktere Kennzeichnung des Kaloriengehalts und der Nahrungsbestandteile fordern.

550 Kilokalorien im Dessert

Wie ungesund die Portionsgrößen und die Zusammensetzung der Nahrung in Fast-Food-Tempeln sind, haben Mary Scourboutakos und Mitarbeiter von der Universität in Toronto anhand von mehr als 3500 Mahlzeiten aus den 19 wichtigsten Restaurantketten des Landes errechnet (JAMA Intern Med. 2013; Epub 13. Mai).

Sie schauten sich dazu die Speisekarten an und ließen sich detaillierte Informationen über Zusammensetzung und Größe der Portionen geben. Daraus ermittelten sie dann den Kaloriengehalt und den Gehalt der wichtigsten Nährstoffe.

Im Schnitt hatte jede einzelne Mahlzeit einen Energiewert von 1128 kcal, das sind 56 % des durchschnittlichen Tagesbedarfs von 2000 kcal. Extras wie Dessert oder Getränke wurden nicht berücksichtigt, ein zusätzlicher Nachtisch schlug mit knapp 550 kcal zu Buche.

Mit 58 g Fett pro Mahlzeit enthielten die Speisen 89 % der täglich empfohlenen Fettmenge, 83 % der Maximalmenge für gesättigte Fette sowie 60 % des bei einer ausgewogenen Ernährung erlaubten Cholesterins.

Beeindruckend war auch der Salzgehalt: Mit knapp 2270 mg Natrium brachte es eine durchschnittliche Mahlzeit bereits auf 150 % des Tagesbedarfs.

Frühstück genauso kalorienhaltig wie Abendessen

Immerhin waren Speisen, die als besonders gesund bezeichnet wurden, mit im Schnitt 470 kcal tatsächlich weniger schwer, fett, süß und salzig - sie enthielten mit 13 g nur 20 % der täglich empfohlenen Fettmenge.

Wurden Frühstück, Mittag- und Abendessen einzeln betrachtet, so ergaben sich keine großen Unterschiede bei der Kalorienzahl oder der Zusammensetzung.

Beim Frühstück fiel lediglich der hohe Cholesteringehalt (140 % des Tagesbedarfs) im Vergleich zu den anderen Mahlzeiten aus dem Rahmen.Ernährungswissenschaftler um Scourboutakos sehen vor allem den hohen Anteil von gesättigten Fetten in den Speisen als Problem - der empfohlene Tageswert wird bereits durch eine einzige Mahlzeit fast erreicht.

Auch der Gesamtfettgehalt - 45 % der Kalorien stammten aus Fett - war bedenklich. Nach Ernährungsempfehlungen sollten Fette nur 20 bis 35 % der Kalorien liefern. Die kanadischen Forscher gehen zudem davon aus, dass durch die Getränke die Kalorienmenge noch weit höher sein dürfte.

2300 kcal mit "Fettuccini Alfredo"

Das Klischee vom fetten und ungesunden Essen in Fast-Food-Restaurants wird durch die kanadische Analyse also bestätigt. Wer nun aber denkt, außerhalb der großen Ketten esse man gesünder, hat sich getäuscht.

Zumindest was die Kalorienmenge betrifft, ist eher das Gegenteil der Fall. Das schließen Wissenschaftler um Lorien Urban von der Universität in Boston aus einer Analyse von US-Restaurants (JAMA Intern Med. 2013; online 13. Mai).

Die Forscher haben die 42 beliebtesten Menüs aus 36 Restaurants, die nicht den großen Ketten angehören, genauer untersucht. Sie wählten jeweils vier Mexikaner, Chinesen, Italiener, Japaner, Thai, Inder, Griechen und Vietnamesen sowie vier Restaurants mit amerikanischer Küche aus.

Sie ließen sie sich die Gerichte vorsetzen und analysierten den Nährwert kalorimetrisch. Von jedem Gericht bestellten sie vier Portionen, um einen Durchschnittswert zu ermitteln.

Mit 1327 kcal lag der Energiegehalt der Speisen im Schnitt weit über dem von kanadischen Fast-Food-Restaurants und auch zum Teil 50 % über dem von US-Ketten wie McDonalds oder Burger King.

Am leichtesten waren die Mahlzeiten beim Japaner (im Schnitt 1027 kcal), am schwersten beim Italiener (1755 kcal), hier lieferte eine Portion "Fettuccini Alfredo" mit durchschnittlich 2270 kcal bereits mehr als den Tagesbedarf an Energie.

Nationale Regelung zu Kalorienangaben für alle Restaurants gefordert

Insgesamt variierten die Mahlzeiten vom Kaloriengehalt aber sehr stark, vor allem in den Restaurants mit amerikanischer Küche. Eine Portion Rippchen brachte zwischen 1500 und 3400 Kilokalorien auf den Teller.

Doch auch beim Inder konnte das Hühnchen-Tandoori je nach Restaurant mit einem Gehalt von 1200 bis 3000 Kilokalorien aufwarten - ein Unterschied fast um den Faktor drei.

Während in den Restaurants der großen Fast-Food-Ketten der Kaloriengehalt der standardisierten Menüs inzwischen oft angegeben wird, können die Gäste in anderen Restaurants kaum ahnen, was da auf sie zukommt, monieren Urban und Mitarbeiter.

Man habe lange Zeit die Fast-Food-Ketten wegen ihrer übergroßen Portionen kritisiert, aber nicht beachtet, dass andere Restaurants in dieser Hinsicht nicht besser seien. Sie fordern daher eine nationale Regelung zu Kalorienangaben für alle Restaurants, und nicht nur für die großen Ketten.

"Dies würde die Betreiber vielleicht davon abhalten, ungesund große Portionen anzubieten, und die Kunden hätten bessere Chancen, Menüs zu erkennen, die Übergewicht und Adipositas begünstigen", schreiben sie.

Nährwertangaben werden genutzt

Ob solche Angaben tatsächlich etwas nützen und die Auswahl der Menüs beeinflussen, ist aber eine andere Frage. Ihr sind Forscher um Holly Wethington von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta nachgegangen (Journal of Public Health 2013; online 22. Mai).

Sie befragten über 700 Jugendliche, ob sie Kalorien- und Ernährungsangaben, wie sie in vielen Fast-Food-Restaurants in den USA schon üblich sind, auch tatsächlich bei der Menü-Auswahl berücksichtigen.

42 % bejahten dies, hauptsächlich interessierten sich aber Mädchen für die Angaben, weniger die Jungs.

Erfreulicherweise achteten besonders übergewichtige Jugendliche und Gelegenheitsbesucher auf den Nährwert. Denjenigen, die mehrmals pro Woche einen Burgertempel aufsuchten, war der Kaloriengehalt der Speisen reichlich egal.

Für Wethington liefert die Befragung Hinweise, dass man mit Nährwertinformationen zumindest einen Teil der Jugendlichen erreichen kann - vor allem diejenigen, die es nötig haben.

Solche Angaben könnten daher einen wichtigen Beitrag zum Gewichtsmanagement liefern, schreiben sie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Wider die Kalorienlotterie

[18.06.2013, 15:25:11]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Is this big enough?
Dazu eine Anekdote aus Berlin. Ein dicker Amerikaner schob seinen Bauch durch den Frühstücksraum eines Hotels am Tauentzien, d e m Einkaufsviertel mit dem KADEWE im Westen der Hauptstadt. Am Büffet stehend, meckerte er die Bedienung wegen der seiner Meinung nach viel zu kleinen 'Frühstückstellerchen' an. Diese war als Berlinerin nicht auf den Kopf gefallen, holte sofort einen riesengroßen Essteller aus dem Schrank und fragte mit höflich-freundlichem Lächeln: "Is this plate big enough for You?"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »