Ärzte Zeitung, 19.12.2013

Studie zeigt

Adipositas hat immer Folgen

Extremes Übergewicht hat immer Konsequenzen - auch für diejenigen, die zunächst nicht unter Diabetes, Hochdruck oder einer Lipidstörung leiden.

Von Christine Starostzik

Adipositas hat immer Folgen

Auch wenn stark übergewichtige Patienten keinen Diabetes oder Hochdruck oder auch keine Lipidstörung haben: Langfristig ruiniert Adipositas die Gesundheit.

© Luis Louro / fotolia.com

TORONTO. Stoffwechselstörungen entstehen häufig bei Übergewichtigen, aber auch bei Menschen mit Normalgewicht treten sie auf.

Zudem zeigen sich paradoxe Effekte: Erst kürzlich hatte eine Metaanalyse für Aufregung gesorgt, in der zwar schwer Adipösen mit einem BMI größer/gleich 35 kg/m2 eine höhere Gesamtmortalität bescheinigt wurde, Übergewichtigen mit einem BMI zwischen 25 und 30 kg/m2 aber eine niedrigere als Normalgewichtigen (BMI 18,5 bis 25 kg/m2).

Solche Ergebnisse spiegeln unter anderem die Komplexität der Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Gesundheitsrisiko wider.

Welchen Einfluss der Stoffwechselstatus auf die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse sowie auf die Gesamtmortalität in Abhängigkeit vom Körpergewicht hat, haben Caroline Kramer und Kollegen in einer Metaanalyse untersucht (Ann Intern Med 2013; 159: 758).

Sie werteten acht Studien mit 61.386 Probanden und 3988 tödlichen oder nicht tödlichen Ereignissen innerhalb von mindestens zehn Jahren Beobachtungszeit aus.

Ergebnisse der Studie

Die Metaanalyse förderte im Wesentlichen folgende Ergebnisse zutage:

- Unter den stoffwechselgesunden Teilnehmern hatten die Übergewichtigen ein ähnliches kardiovaskuläres und Mortalitätsrisiko wie die Normalgewichtigen (relatives Risiko, RR 1,1).

- In einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren hatten stoffwechselgesunde Adipöse (BMI größer/gleich 30 kg/m2) ein höheres Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden oder zu sterben, als stoffwechselgesunde Normalgewichtige (RR 1,24).

- Egal ob normalgewichtig, übergewichtig oder adipös - wenn eine Stoffwechselerkrankung vorlag, waren das kardiovaskuläre Risiko und das Sterberisiko erhöht (Normalgewichtige: RR 3,1, Übergewichtige: 2,7, Adipöse: 2,2).

- Mit steigendem BMI erhöhten sich Blutdruck, Taillenumfang und Insulinresistenz, das HDL-Cholesterin fiel - und zwar sowohl bei metabolisch Gesunden als auch bei Stoffwechselkranken. Für Triglyzeride, Glukose und LDL-Cholesterin konnte ein solcher BMI-Gradient nicht ausgemacht werden.

Fazit der Autoren

Auch wenn sie nicht an einer Stoffwechselerkrankung leiden, tragen adipöse Menschen im Vergleich zu normalgewichtigen Stoffwechselgesunden auf längere Sicht dennoch ein höheres Risiko für Leib und Leben.

Die Daten der Studie lassen vermuten, so die Autoren, dass sich bei ansteigendem Körpergewicht zunächst eine subklinische metabolische und vaskuläre Dysfunktion entwickelt.

Auch wenn keine Krankheit diagnostiziert werden kann, führt die metabolische Konstellation langfristig offenbar zu einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko und einem früheren Tod.

So gibt es nach Ansicht der Autoren selbst bei stoffwechselgesunden Dicken keinen Grund, von einem benignen Zustand zu sprechen.

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