Kongress, 25.04.2014

Arzneien gegen Adipositas

"Der große Durchbruch steht noch aus"

Im Kampf gegen Fettsucht wird auf die Forschung gehofft. Doch eine Pille gegen Adipositas wird es so schnell nicht geben.

"Der große Durchbruch steht noch aus"

Volksleiden Adipositas: Nichtmedikamentöse Therapieansätze - und so auch vergnügtes Tanzen - stehen weiter im Vordergrund.

© Peter Albrektsen / fotolia.com

WIESBADEN. Hat man den Darm lange Zeit lediglich als Aufnahmeort für Nahrungsbestandteile verstanden, ist in jüngerer Zeit deutlich geworden, dass er auch regulative Funktionen hat.

"Der Darm produziert, ähnlich wie das Fettgewebe und die Bauchspeicheldrüse, regulierende Hormone, die das Essverhalten bestimmen", erklärt Professor Stephan C. Bischoff vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim in Stuttgart und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). Der Gastroenterologe beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit Adipositas, ihren Folgeerkrankungen und Fragen der Ernährung.

Ein zweiter Aspekt, so Bischoff, der den Darm mit Blick auf die Übergewichtsproblematik interessant mache, seien die Darmbakterien. Sie tragen entscheidend mit zur Verwertung von Nahrungsstoffen bei.

Und drittens spiele auch die Grenzfläche zwischen Bakterien und Körperinnenwelt, also die Darmwand und ihre Schleimhaut eine große Rolle für die Entwicklung von Adipositas und Adipositas-assoziierte Folgekrankheiten.

Als der vielleicht am längsten beackerte Bereich in der Adipositas-Forschung gilt der endokrinologische Aspekt. Periphere Signale, wie das hauptsächlich aus dem Fettgewebe stammende Leptin, oder das Insulin sind an der Appetitregulation beteiligt und beeinflussen die Entwicklung des Körpergewichts.

Und schließlich fließen alle Informationen im Gehirn zusammen. Bischoff: "Deshalb ist die zerebrale Steuerung ein entscheidender Faktor für die Gewichtszunahme oder auch die Gewichtsreduktion."

Es wird fleißig geforscht

Diese Mannigfaltigkeit der Regelkreise, die ein redundantes und damit sehr stabiles System darstellen, macht es so schwer, therapeutisch einzugreifen. Gerade in Bezug auf pharmakologische Optionen sei in den vergangenen Jahren viel Ernüchterung eingetreten, konstatiert Bischoff. "Der große Durchbruch steht noch aus."

Dies liege daran, dass zerebral wirkende Medikamente mit einer Reihe unerwünschter Wirkungen behaftet sind, während an peripheren Regulatoren angreifende Wirkstoffe bislang eine gute Effektivität vermissen ließen.

Dennoch ist auf diesem Gebiet viel Forschung im Gange. Bis sie Ergebnisse zeitigt, ist man auf nichtmedikamentöse Behandlungsansätze angewiesen.

So ist in puncto Ernährung inzwischen klar, dass Nährstoffe nicht nur dahingehend betrachtet werden dürfen, wie viele Kalorien sie in den Körper bringen, sondern auch, wie sie Hormonkreisläufe anschalten oder nicht. Nährstoffe, die die Insulinproduktion ankurbeln, sind zum Beispiel kontraproduktiv, wenn es ums Abnehmen geht.

Daraus hat sich eine Diät mit niedrigem glykämischen Index entwickelt. Des Weiteren gibt es Nährstoffe, deren Kalorienmenge unproblematisch ist, die jedoch die Darmwand-Barriere beeinflussen und daher zur Vermeidung von Folgeerkrankungen durch Übergewicht wichtig sind.

Chirurgie kann nur Teillösung sein

Die bariatrische Chirurgie kann lediglich eine Teillösung für sehr schwer von Adipositas betroffene und konservativ therapieresistente Patienten sein.

Schon die etwa vier bis fünf Prozent der Bevölkerung mit zweit- und drittgradiger Adipositas alle operieren zu wollen ist allein finanziell und strukturell unmöglich und wäre zudem womöglich ethisch fragwürdig.

Bleibt die Prävention von Adipositas. Bischoff: "Wir sind nicht gut in Prävention!" Zugleich sei sie der Schlüssel, um dem Problem dauerhaft Herr zu werden. "Das ist jedoch nicht nur eine finanzielle Frage, offensichtlich fehlen die guten Konzepte."

Für solche Konzepte brauche es gemeinsame Anstrengungen von Ärzten, Ernährungswissenschaftlern, Psychologen, Soziologen bis hin zu Kommunen, Schulen, Ausbildungsstätten und Betriebsstrukturen. Ein derart konzertiertes Projekt ist derzeit jedoch nicht in Sicht. (ner)

Plenarvortrag "Adipositas: Wie verändern neue Forschungsergebnisse Behandlungsstrategien?" am 26. April, 11:45 bis 12:45 Uhr; Halle 1, 120. DGIM-Kongress, Wiesbaden

[23.08.2014, 08:55:15]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Wer knallharte medizinische Fakten ignoriert,
verspielt u.U. sein Leben, wie der legendäre Vegetarier Steve Jobs, der ein histologisch gesichertes Pankreaskarzinom 9 Monate "vegetarisch" heilen wollte, bis es zu spät war. zum Beitrag »
[23.08.2014, 08:41:06]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Michael Peuser, wo lernt man so einen Quatsch?
Sicher nicht in einer medizinischen Uni.
Es gibt keine "Eiweißspeicher". Selbstveständlich gibt es auch "dicke Vegetarier". (Puddingvegetarier) Ich habe selbst welche behandelt. Der liebenswürdige zu früh verstorbene Dirk Bach war auch einer.
Werfen Sie einfach mal einen Blick in ein medizinisches Lehrbuch.
Das hier ist eine Ärztezeitung. zum Beitrag »
[25.04.2014, 12:04:47]
Michael Peuser 
Abnehmen leicht gemacht
Seit den 30er Jahren ist bekannt, dass eine der Hauptursachen der Adipositas die tierische Eiweissspeicherkrankheit ist. Der Mensch kann nur 200 g tierisches Eiweiss pro Tag verarbeiten. Der nicht zu verarbeitende Teil wird zwischen den Kapillaren und den Zellen im interstitiellen Bereich abgelagert. Wenn sich dort z.B. 0,00000001 mg tierisches Eiweiss wie "Sperrmüll" ablagert sind das bei 75 Billionen Zellen bereits 7,5 kg. Bei 0,00000005 mg sind das bereits 37,5 kg. Innerhalb von 3 Monaten lässt sich dieser"Sperrmüll" entfernen, wenn in dieser Zeit kein Fleisch, kein Fisch, kein Käse, keine Wurst, keine Milch, kein Jogurt und keine Eier gegessen werden. Die Kilos sind weg und man fühlt sich wie neu geboren. Deshalb gibt es auch bei Vegetariern so gut wie keine Fälle von Adipositas.
Auch ist die Darmflora wichtig für das richtige und gesunde Gewicht. Man entdeckte, wenn die Bakterie Akkermansia muciniphila in der Darmflora fehlt der Krankheit Adipositas Vorschub geleistet wird. Der Einsatz dieser Bakterie (z.Zt. meist noch durch Stuhltransplantation von einem Spender)erbringt die besten Resultate. Deshalb sollte sich die Forschung mit der Herstellung dieser Bakterie befassen um ein entsprendes Präparat anbieten zu können.
Michael Peuser
Staatspreisträger in Brasilien zum Beitrag »

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