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Ärzte Zeitung App, 02.12.2014

Adipositas

Abspecken übers Internet

Am PC sitzen soll beim Abnehmen helfen? Das klingt erstmal wie ein Widerspruch. Erfolge mit Online-Verhaltenstherapien bei Adipositas gibt es aber durchaus, wie bei einer Tagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft deutlich wurde.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Abspecken übers Internet

An Bewegung kommen Abnehmwillige natürlich nicht vorbei. Eine Online-Verhaltenstherapie kann das Abspecken auch unterstützen, wie neueste Erkenntnisse zeigen.

© Kletr / fotolia.com

LEIPZIG. Dr. Monika Siegrist vom Lehrstuhl für präventive und rehabilitative Sportmedizin der TU München berichtete in Leipzig über 5-Jahres-Daten aus der auf zehn Jahre angelegten LOGIC-Studie.

Diese Studie evaluiert den Effekt eines vier- bis sechswöchigen stationären Adipositasprogramms für Jugendliche in der Klinik Schönsicht in Berchtesgaden.

Das Programm legt einen starken Fokus auf Bewegung: Die im Mittel 13-Jährigen nehmen an vielen Sportgruppen teil und lernen zudem Freizeitsportarten wie etwa Bergwandern kennen.

"Während des Programms nehmen die Kinder im Schnitt um acht bis zehn Kilogramm ab", so Siegrist. Die Langzeitauswertungen sollen klären, wie nachhaltig das Programm ist.

Auch geht es darum, Einflussfaktoren für einen günstigen Gewichtsverlauf zu identifizieren. Für das 5-Jahre-Follow-up wurden bisher 168 Jugendliche und ihre Ärzte kontaktiert, was ein knappes Drittel der ursprünglichen Studienpopulation ist.

"Bei etwa 30 Prozent erreichen wir langfristige Therapieerfolge", so Siegrist. Konkret gab es in der untersuchten Population bei Studieneinschluss keinen normalgewichtigen und nur sechs lediglich übergewichtige Patienten.

Die übrigen 162 waren adipös oder extrem adipös. Fünf Jahre nach dem stationären Programm sind 12 Patienten normalgewichtig, 29 übergewichtig und 127 adipöse oder extrem adipös. Die Verbesserung des Gewichts korrelierte mit besseren Gesundheitsparametern bei Triglyceriden, HDL, Blutdruck oder Blutzucker.

Bewegung macht keinen Unterschied

Was sich nicht zeigen ließ, ist, dass Bewegung den entscheidenden Unterschied macht. Die Patienten mit anhaltendem Gewichtsverlust und Patienten ohne, unterschieden sich hinsichtlich ihrer körperlichen Aktivität nicht.

Im Medienkonsum gab es dafür deutliche Unterschiede: Fast keiner in der Gruppe mit Gewichtsverlust gab an, mehr als drei Stunden Medien pro Tag zu konsumieren.

In der Gruppe ohne Gewichtsverlust war es jeder Zweite. Auch die familiäre Gewichtsbelastung scheint relevant zu sein: "Bei den Patienten, die langfristig keinen Erfolg haben, ist der BMI der Mutter deutlich höher. Damit stellt sich die Frage, ob wir die Eltern stärker einbeziehen müssen", so Siegrist.

Auch das Internet als Plattform für die kognitive Verhaltenstherapie bietet neue Therapiemöglichkeiten gegen Adipositas. "Damit können wir auch einen Teil jener Patienten erreichen, die von sich aus keine therapeutische Hilfe aufsuchen würden", betonte Michaela Nagl von IFB Adipositas Erkrankungen der Universitätsmedizin Leipzig.

Nagl berichtete über die Ergebnisse einer randomisierten Studie für Patienten mit BingeEating-Störung (BES), von denen mindestens 70 Prozent adipös sind.

Die BES ist gekennzeichnet durch regelmäßige Essanfälle, bei denen die Patienten aber keine kompensatorischen Maßnahmen ergreifen.

Wöchentliche Online-Sitzungen und Esstagebuch

In der Studie kam eine internetbasierte, therapeutengestützte Verhaltenstherapie zum Einsatz. Die Intervention bestand aus wöchentlichen Sitzungen über 4 Monate plus Esstagebuch, Wochenpläne und Tagespläne. Die Sitzungen arbeiteten nach dem Prinzip des strukturierten Schreibens und waren inhaltlich an evidenzbasierte Face-to-Face-Therapien angelehnt.

In der Interventionsgruppe konnte die Zahl der mit dem Eating Disorder Examination Questionnaire (EDEQ) erhobenen Essanfälle hoch signifikant von 16 auf 7 pro Monat verringert werden. Der Effekt hielt über 12 Monate an. Auch beim sekundären Endpunkt "Depression" wurde ein signifikanter Effekt erzielt, ebenfalls über 12 Monate.

15 Prozent der Patienten in der Interventionsgruppe erfüllten am Ende nicht mehr die DSM-V-Kriterien für eine BES. In der Kontrollgruppe war es kein einziger.

"Es ist aus unserer Sicht ein vielversprechender Weg, um eine niederschwellige Unterstützung von BES-Patienten anzubieten, mit potenziell hoher Reichweite", so Nagl. Allerdings gab es mit 27 Prozent in der Interventionsgruppe eine recht hohe Abbruchrate.

Den gemessenen Therapieerfolg schmälert das aber nicht, da die Ergebnisdaten sich auf die Intention-to-treat-Population beziehen.

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