Ärzte Zeitung, 29.02.2016

Arbeitsmedizin

So bringen Chefs ihre Mitarbeiter in Schwung

Mit finanziellen Vorteilen versuchen manche Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter für Präventionsprogramme zu motivieren. Reine Belohnungssysteme sind dazu aber offenbar nicht der beste Weg.

Von Christine Starostzik

So bringen Chefs ihre Mitarbeiter in Schwung

Wie motiviert man Mitarbeiter, vom Arbeitsplatz aufzustehen und an Präventionsprogrammen teilzunehmen? Eine Studie liefert Antworten.

© wernerimages/fotolia.com

PHILADELPHIA. Welchen Erfolg Gesundheitsprogramme mit Aussicht auf finanzielle Vergünstigungen haben, hängt offenbar ganz von der Art des Angebots ab, wie eine US-Studie zeigt. Während die Aussicht auf ein tägliches Erfolgshonorar die Probanden nicht antrieb, beflügelte die Angst vor dem Verlust des im voraus gezahlten Bonus bei Nichterreichen des gesetzten Zieles die Probanden signifikant. Offenbar treibt nämlich die Furcht vor Verlust Menschen mehr an als die Aussicht auf Gewinn.

 Das ist zumindest das Ergebnis einer kontrollierten Studie eines Teams um Dr. Mitesh Patel von der Division of General Internal Medicine der University of Pennsylvania (Ann Intern Med 2016; 164: 385). Die Forscher haben untersucht, welche finanziellen Anreize übergewichtige oder adipöse Erwachsene am effektivsten zu mehr körperlicher Aktivtät motivieren.

Pro Tag mindestens 7000 Schritte

Teilnehmer der Studie waren 281 Angestellte der Universität (mittleres Alter 39,7 Jahre, mittlerer BMI 33,2 kg/m2). Sie hatten die Vorgabe, pro Tag mindestens 7000 Schritte zurückzulegen. Alle Probanden erhielten 25 US-Dollar für die Teilnahme und 75 Dollar, wenn sie bis zum Studienende dabeiblieben. Bei Erreichen der geforderten Schrittzahl wurden den Probanden über 13 Wochen hinweg zudem verschiedene finanzielle Vergünstigungen in Aussicht gestellt.

Vier Gruppen wurden gebildet: In Gruppe 1 (Plusgruppe) konnten sie an jedem erfolgreichen Tag 1,40 Dollar hinzuverdienen, in Gruppe 2 (Lotteriegruppe) zogen sie bei Erreichen des Ziels ein Los, mit dem sie zwischen 5 und 50 Dollar gewinnen konnten, und in Gruppe 3 (Minusgruppe) erhielten sie eine monatliche Vorauszahlung von 42 Dollar, aber für jeden Tag, an dem sie die 7000 Schritte nicht schafften, mussten sie 1,40 Dollar zurückzahlen. Teilnehmer der Gruppe 4 (Kontrollgruppe) erhielten täglich Rückmeldungen über ihren Leistungsstand, aber keine finanziellen Anreize für ihre Mühen. Insgesamt wurde die körperliche Aktivität der Teilnehmer in den vier Gruppen täglich per Smartphone über 26 Wochen kontrolliert.

In der Kontrollgruppe ohne finanzielle Anreize wurde im Mittel an 30 Prozent der Studientage das gesetzte Ziel von 7000 Schritten erreicht, in der Plusgruppe an 35 Prozent, in der Lotteriegruppe an 36 Prozent und in der Minusgruppe an 45 Prozent. Doch nur wenn die Probanden mit dem Verlust ihres bereits erhaltenen Geldes rechnen mussten, ergab sich in der adjustierten Analyse ein signifikanter Aktivitätsvorteil von 16 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe. Immerhin steigerte sich die Zahl der Tage, an denen das Soll erreicht wurde, damit um relative 50 Prozent. Mit der Zeit ließ die Aktivität allerdings in allen Gruppen nach und am Studienende unterschied sich der Anteil an Erfolgstagen in der Minusgruppe kaum von dem der Kontrollprobanden.

Die Studienergebnisse zeigten, so Patel und Kollegen, dass nicht jeder finanzielle Anreiz Wirkung entfalte. Es sei wichtig, die richtigen Akzente zu setzen, damit Programme zur Förderung der Gesundheit von Arbeitnehmern auch tatsächlich griffen.

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