Ärzte Zeitung online, 22.09.2016

Ein fettes Problem

Sind Fettleibige zu faul zum Abnehmen?

Ein Schlag ins Gesicht für adipöse Menschen: Die Mehrheit in einer Umfrage glaubt, dass diese selbst Schuld an ihrer Krankheit haben – darunter auch Ärzte.

Sind Fettleibige zu faul zum Abnehmen?

Psychischer Druck durch Ausgrenzung: Das kennen viele Dicke.

© olly / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Adipositas ist eine chronische Stoffwechselkrankheit – so die WHO. Viele Bürger nehmen darauf nicht viel Rücksicht: Sie glauben, dass Fettleibige schlicht zu bequem zum Abnehmen sind. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Untersuchung im Auftrag der DAK-Gesundheit.

Auch viele Ärzte sehen Faulheit als Grund für die Fettleibigkeit ihrer Patienten. Eine "Selbst Schuld"-Einstellung?

Viele ekeln sich vor Adipösen

Die Umfrage bringt aber noch Weiteres zu Tage: So finden 71 Prozent, dass Fettleibige unästhetisch sind. 15 Prozent der Befragten meiden sogar den Umgang mit ihnen.

Ausgrenzung ist ein häufiges Problem für adipöse Menschen und verschlimmert die Krankheit oft: Der psychische Druck bringt sie in der Folge dazu, noch mehr zu essen. Dadurch nehmen Stark Übergewichtige weiter zu. Und: Gescheiterte Diäten führen durch den Jo-Jo-Effekt zu noch stärkerer Zunahme – zwei Teufelskreise auf einmal.

DAK-Studie: Jeder vierte Deutsche fettleibig

Laut XXL-Report der DAK ist jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 fettleibig. Der Anteil extrem adipöser Patienten hat sich demnach zwischen 1999 und 2013 mehr als verdoppelt. Fettleibigkeit sieht das Robert-Koch-Institut deshalb als ein großer Kostenpunkt im Gesundheits- und Sozialsystem an. (ajo/dpa)

[23.09.2016, 07:00:33]
Franz-Josef Wittstamm 
Selbst schuld oder selbstverantwortlich
Die WHO spricht mit der Formulierung "chronische Krankheit" die Dicken doch nicht von der Selbstverantwortung für Ihren Lebenstil frei - wenn halt Schicksal ist, dann kann man die Armen ja auch nur bedauern. zum Beitrag »
[22.09.2016, 15:04:17]
Thomas Georg Schätzler 
Bitte kein undifferenziertes Adipositas-Verherrlichen oder -Pathologisieren
Primär ist Adipositas mit chronisch erhöhtem Input und veringertem Output ein thermodynamisches Ungleichgewicht und keine Krankheit, zumal die Übergänge fließend und reversibel sind: Biologisch und im Sinne von Anpassungsvorgängen ("survival of the fittest") plausibel noch lange vor der entwicklungsgeschichtlichen Sesshaftigkeit nach den nomadischen Perioden der Jäger und Sammler.

Eine diskriminierende, stigmatisierende Ausgrenzung ist aber keine Einbahnstraße. Sitzen Sie doch mal auf einem DIN-genormten Flugzeug-, Bahn-oder Bus-Sitz neben einem BMI-Inhaber mit 35 plus oder besser noch zwischen zweien?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM  zum Beitrag »
[22.09.2016, 12:37:57]
Robert Künzel 
XXL-Report, was hat dieser Unsinn wohl gekostet ?
Anstatt die Adipositas endlich als Krankheit anzuerkennen und entsprechend motivierten GKV-Patienten wirksame Behandlungen zu bezahlen verschleudert eine Krankenkasse das Geld Ihrer Mitglieder für sinnlose Erhebungen. Wie vielen Patienten hätte man statt dessen eine wirksame Behandlung z.B. mit Saxenda ermöglichen können ? Man mag gar nicht darüber nachdenken. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ernährungsfanatiker leiden oft an Essstörung

Nur noch Steinzeitdiät oder doch lieber frugan? Wer seine Ernährung übertrieben einengt, ist oft an einer Bulimie oder Anorexie erkrankt. Unser Autor Thomas Müller hat diese Erkenntnis vom DGPPN mitgebracht. mehr »

Aus für größte deutsche Krebsstudie

Die Prostatakrebsstudie PREFERE wird vorzeitig beendet. Der Grund für das Aus der bislang größten deutschen Krebsstudie ist die geringe Zahl der eingeschriebenen Patienten. mehr »

Beim Rauchen gibt es keine sichere Dosis

Langzeit-Raucher sterben früher – und zwar auch dann, wenn sich ihr Konsum auf nur wenige Zigaretten am Tag beschränkt. mehr »