Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung, 06.02.2017

Kommentar

Fehlende Gesamtstrategie

Von Susanne Werner

Die Ursachen für Übergewicht und Adipositas sind so vielfältig wie die Menschen, die darunter leiden. Dennoch gibt es eine einfache Formel: Wer dauerhaft energiereiche Lebensmittel zu sich nimmt, körperlich jedoch inaktiv ist, bringt schnell zu viele Pfunde auf die Waage. Das gilt für Berufstätige genauso wie für Schulkinder. Das Dicksein ist unter den Berufstätigen der Normalzustand, heißt es im Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Der Bericht gibt auch vorsichtige Hinweise, wie viele Kilos vermieden werden könnten. Schließlich geht die Zahl der übergewichtigen Schulanfänger in nahezu allen Bundesländern zurück. Aufklärungsprogramme und Interventionen, die vor gut zehn Jahren auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene in den Kitas gestartet wurden, scheinen zu wirken. Dennoch sehen die DGE-Experten darin keinen Grund zur Entwarnung. Schließlich wird mit der Schulzeit der sitzende Lebensstil erst eingeübt. Bis zum Teenager-Alter steigen die Prävalenzraten wieder deutlich an. Vereinzelte Präventionsangebote für den Nachwuchs reichen also nicht, um für alle gesundheitsfördernd gegenzusteuern. Gefragt sind umfassende politische Strategien, die ein Leben lang wirken, Schulen, Betriebe wie auch Stadtteile bewegungsfreundlich machen und den Zugang zu gesunden Lebensmitteln für alle erleichtern.

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Susanne Werner (119)
[06.02.2017, 11:22:45]
Karl-Otmar Stenger 
Max Rubner war gestern

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist immer wieder erstaunt, dass ihre Empfehlungen so gut wie nichts bewirken. Das wächst sich langsam zu einer massiven Bedrohung für unsere Volksgesundheit aus. Offenbar sind die Empfehlungen der DGE nur gut gemeint, in der Sache aber völlig daneben. Ein Blick auf den DGE-Ernährungskreis genügt, um zu verstehen, dass die DGE hinter dem Stand des Wissens deutlich hinterherhinkt. Das am häufigsten genannte Attribut ist fettarm. Jeder in der Lebensmittelindustrie weiß, dass wenig Fett in den Produkten gleichbedeutend ist mit viel Zucker; denn sonst schmeckt es nicht und ist nicht verkäuflich. Ihre Lobby vertritt wider besseres Wissen aber so die von Max Rubner vor über 100 Jahren ausgearbeitete Auffassung, dass alle Nahrungsmittel unter Berücksichtigung ihres Energiegehalts austauschbar sind, als wäre es ein Naturgesetz. Das plappert die Sprecherin der DGE Isabelle Keller dann auch so nach und Frau Susanne Werner könnte auch noch etwas dazulernen.
Dem ist entgegenzuhalten, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass sich Tiere und so auch die Menschen auf Zeiten vorbereiten können, in denen Nahrungsmittel knapp sind. Es ist also nur natürlich, wenn sich Tiere im Herbst oder vor Interkontinentalflügen hemmungslos vollfressen und Fett speichern, um nicht zu erfrieren oder vom Himmel zu fallen. Dass sich der Stoffwechsel und die Steuerung der Nahrungszufuhr bei der Zufuhr von Fruktose anders verhält als bei der von Glukose, nutzt die Lebensmittelindustrie schamlos aus; denn dem Absatz von Produkten steht das Sättigungsgefühl entgegen: Fruktose kann es ausschalten. Ausserdem ist Fruktose dafür verantwortlich, dass nicht Bewegungsenergie erzeugt, sondern die Fettsynthese angekurbelt wird (siehe "Der Fettschalter" ISBN 9783871854972). Wir werden also nicht allein fetter, weil wir uns nicht bewegen. Vielmehr behindert unseren natürlichen Bewegungsdrang das, was wir essen. Will man also, dass jeder sich mehr bewegt, muss auch jeder seinen Zuckerkonsum auf das Maß herunterschrauben, das die WHO seit mindestens 2 Jahren propagiert: Wer mehr als 5% seiner Energiezufuhr in Form von Zucker (Fruktose plus Glukose) zu sich nimmt, setzt sich der Gefahr aus, über kurz oder lang schwer zu erkranken. Das wäre doch mal ein vernünftiger Ansatz für eine neue Gesundheitspolitik, die den Konsum von Zucker und entsprechend die Quoten in der EU-Zuckermarktordnung auf das Maß zurückführt, das für die Bevölkerung gut ist. Von der jetzigen Regierung kann man das nicht mehr erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Karl-Otmar Stenger

Internist / Nephrologe iR.
Krohnskamp 85
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