Forschung und Praxis, 17.05.2005

Sublinguale Immuntherapie ist auch für Kinder gut geeignet

Allergenkarenz und spezifische Immuntherapie sind die zur Zeit einzigen kausalen Allergietherapien. Welche Reaktionen bei der Immuntherapie, etwa der sublingualen Anwendungsform, im Körper ablaufen, wird aber erst nach und nach deutlich.

Wichtig für die Wirkung der sublingualen Immuntherapie (SLIT) ist ein ausreichend langer Kontakt der Allergenlösung in Tropfenform (etwa SLIT One) mit der Mundschleimhaut. Empfohlen wird den Patienten, die Tropfen zwei bis drei Minuten unter der Zunge zu behalten, bevor sie geschluckt werden.

Von besonderer Bedeutung bei diesem Vorgang scheinen die Langerhans-Zellen (LC) der Mundschleimhaut zu sein, erläuterte in Berlin Dr. Jean-Pierre Allam von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie in Bonn.

Diese LC exprimieren im Gegensatz zu epidermalen LC immer eine bestimmte Form von IgE-Rezeptoren, sowohl bei Gesunden als auch bei Atopikern. Bei Atopikern ist die Expressionsrate der Rezeptoren besonders hoch.

Über einen komplexen Mechanismus, an dem Zytokine wie Interleukine und Transforming Growth Factor β (TGF-β) beteiligt sind, kommt es zur Bildung von regulatorischen T-Zellen, die den Organismus vor überschießenden Immunreaktionen schützen, sagte Allam bei einem Symposium von Alk Scherax. Vermutet wird, daß auch die SLIT ihre Wirksamkeit über diesen Weg entfaltet.

Die praktische Bedeutung der SLIT hat Professor Karl-Christian Bergmann aus Bad Lippspringe mit einer kürzlich publizierten Studie deutlich gemacht (Int Arch Allergy Immunol 136, 2005, 287). Bei 31 Kindern mit Asthma wurde der Einfluß der SLIT auf die Bildung spezifischer Antikörper gegen Hausstaubmilben (Der p1), untersucht.

Die Kinder bekamen eine SLIT mit einem Extrakt aus standardisierten Dermatophagoides pteronyssinus plus Dermatophagoides farinae 50 / 50. Die Therapiedauer betrug sechs oder zwölf Monate. Acht gesunde Kinder bildeten die Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse: Außer einer Reduktion der klinischen Symptome, des Medikamentenverbrauchs und der bronchialen Hyperreaktivität konnte auch ein Abfall von Der-p1-spezifischen IgE-Antikörpern nachgewiesen werden. Zudem, so Bergmann, bestehe der Charme der Therapie darin, daß sie risikoarm sei und daß jederzeit mit der Anwendung begonnen werden könne. (otc)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »