Ärzte Zeitung, 29.06.2005

Mehr Allergien nach Geburt durch eine Sectio

MÜNCHEN (wst). So mancher Grundstein für die spätere Allergie-Entwicklung eines Kindes wird schon während der Schwangerschaft gelegt. Und das Rauchen mit seiner allergiefördernden Potenz scheint sogar die übernächste Generation zu belasten.

Enkel rauchender Großmütter mütterlicherseits haben nach umfangreichen epidemiologischen Analysen ein höheres Risiko für eine Allergie als Kinder ohne eine solche Rauchbelastung im Stammbaum, hat Professor John Warner von der Universität Southampton in Großbritannien auf einer Pressekonferenz zum Welt-Allergie-Kongreß in München betont.

Die Hypothek der rauchenden Großmutter belastet den Enkel selbst dann, wenn er nie Kontakt zur Großmutter gehabt hat und auch sein eigener Haushalt immer rauchfrei war. Daraus könne man ableiten, daß das Rauchverhalten der Großmutter zu einer Modifikation mütterlicher Gene geführt hat, die in der Erbfolge wiederum den Enkel für eine Allergie disponieren, sagte Warner.

Auf der Suche nach Faktoren, die das Allergierisiko des Kindes bereits im Mutterleib beeinflussen, ist vor allem die Ernährung der Mutter ins Visier der Forscher geraten. Viel frisches Obst und Gemüse sowie der Konsum von Fischöl scheinen einen präventiven Nutzen zu haben, Rauchen der Mutter erhöht hingegen das Allergierisiko.

Allerdings: Meidet eine Mutter konsequent potentielle Allergene, fördert sie damit offenbar eine Allergie gegen die gemiedenen Stoffe beim Kind, wie epidemiologische Studien ergeben haben.

Per Kaiserschnitt zur Welt gebrachte Kinder erkranken im weiteren Leben häufiger als auf natürlichem Wege Geborene. Die Ursache dafür ist wohl, daß die Sectio eine allergiepräventive frühe initiale Kolonisation des kindlichen Darmtraktes mit physiologischen Darmkeimen der Mutter verhindert. Noch gilt dieser Zusammenhang aber nicht als so sicher, daß man nach einer Kaiserschnittgeburt den Darm des Kindes iatrogen mit mütterlichen Darmkeimen besiedelt.

Ein dosisabhängig erhöhtes Allergierisiko hätten - statistisch gesehen - auch Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Antibiotika oder Paracetamol eingenommen haben, so Warner. Es sei aber noch fraglich, ob tatsächlich die Antibiotika oder die mütterlichen Infektionen das Allergierisiko des Kindes erhöhen.

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