Ärzte Zeitung, 30.06.2005

Tablette zur Hyposensibilisierung gegen Graspollen kommt

Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten um 41 Prozent reduziert / Zulassung in Schweden beantragt

MÜNCHEN (sto). Eine spezifische Immuntherapie in Tablettenform für Patienten mit Graspollenallergie wird voraussichtlich schon bald in Europa auf den Markt kommen. Patienten mit Heuschnupfen können dann täglich eine Tablette einnehmen und dadurch ihren Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten deutlich verringern.

Bislang stehen für die spezifische Immuntherapie bei Heuschnupfen mit der subkutanen Injektion von Allergenpräparaten oder der sublingualen Verabreichung von Tropfen zwei Therapieformen zur Verfügung. Diese würden jedoch von vielen Patienten aus unterschiedlichen Gründen nicht angenommen, berichtete Professor Claus Bachert von der HNO-Universitätsklinik Gent in Belgien beim Welt-Allergie-Kongreß in München. Mit der neuen oralen Behandlungsform werde es möglich sein, künftig deutlich mehr Patienten kausal zu behandeln.

Der Wirkstoff der Allergietablette sind standardisierte Allergene aus Wiesenlieschgras (Phleum pratense), berichtete Peter Fischer von dem Unternehmen Alk-Scherax Arzneimittel bei einer Pressekonferenz des Unternehmens. Für das Produkt ist bereits im vergangenen Jahr bei der schwedischen Gesundheitsbehörde die Zulassung beantragt worden. Schweden gilt als Referenzland für Europa.

Für die Allergietablette wird eine neuartige Galenik verwendet, die eine Löslichkeit ohne Wasser innerhalb von Sekunden ermöglicht. Die Behandlung sollte mindestens acht bis zwölf Wochen vor der Gräserpollensaison beginnen und ganzjährig über drei Jahre fortgeführt werden.

Nach einer zehnwöchigen Einnahme der Tabletten reduzieren sich die Symptome der allergischen Rhinitis um 37 Prozent und der Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten um 41 Prozent, wie Bachert berichtete. Die Zahl der beschwerdefreien Tage habe sich unter Studienbedingungen um 54 Prozent erhöht. Das entspreche etwa 30 Tagen. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Jucken im Mund, Halsirritationen und Mundödeme.

Die Zulassung wurde mit der Indikation Gräserpollen-bedingte allergische Rhinitis mit oder ohne leichtes bis moderates Asthma bronchiale bei Erwachsenen beantragt, wie das Unternehmen mitgeteilt hat. Ein ähnliches Produkt in Tablettenform zur spezifischen Immuntherapie bei Patienten mit Hausstaub-Allergie werde bereits entwickelt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »