Ärzte Zeitung, 04.07.2005

Allergen-Provokation via Koloskop deckt so manche Allergie auf

Diagnostik bei Verdacht auf Nahrungsmittel-Allergie / Diagnostische Diät statt Dauerdiät

MÜNCHEN (wst). Liefern bei Verdacht auf eine Nahrungsmittel-Allergie konventionelle Untersuchungsmethoden keine klare Diagnose, kann eine koloskopische Allergen-Provokation weiterhelfen. Eine klare Absage erteilen Experten dagegen den IgG-Analysen zur Bestimmung nicht tolerierter Lebensmittel-Bestandteile.

Prick-Test: Ein hier positiv getestetes Allergen muß bei Verdacht auf Nahrungsmittel-Allergie nicht Ursache der gastrointestinalen Beschwerden sein. Foto: Stallergènes

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittel-Allergie sollte die Diagnostik mit einer gründlichen Anamnese und einem vom Patienten zu führenden Ernährungs-Symptome-Tagebuch beginnen. Daran hat der Allergologe Dr. Ludger Klimek aus Wiesbaden auf einem gemeinsamen Symposium des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin zum Welt-Allergie-Kongreß in München erinnert.

Ein positives Ergebnis in der Haut- (Prick-Test) oder In-vitro-Testung (RAST) legt zwar offen, ob ein Patient gegen die jeweils geprüften Allergene sensibilisiert ist. Dies bedeute aber nicht zwangsläufig, daß die positiv getesteten Allergene auch die Ursache der Beschwerden sind, erinnerte Klimek und warnte vor voreilig verordneten Dauerdiäten. Notwendig sei vielmehr zunächst die diagnostische Diät.

Auf suspekte Nahrungsmittel wird mehrere Tage verzichtet

Dazu werden bei Verdacht auf konkrete Allergie-provozierende Nahrungsmittel diese für mehrere Tage konsequent weggelassen. Ohne konkreten Allergenverdacht bekommen die Patienten eine oligoallergene Diät. Haben sich so die Symptome zurückgebildet, gilt es, durch gezielte orale Provokationen die für die gastrointestinalen Beschwerden ursächlichen Allergene herauszufiltern.

Um suggestive Einflüsse von Arzt und Patient weitestgehend auszuschließen, hat sich dazu als Goldstandard die doppelblinde Placebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation (DBPCFC) etabliert. Dabei wissen zunächst weder Arzt noch Patient, ob dieser ein Allergensubstrat oder aber lediglich ein vom Aussehen und vom Geschmack her identisches Placebo konsumiert. Erst 48 Stunden später und nach Dokumentation eventuell vorhandener Symptome wird die Verblindung aufgehoben.

Bei fragwürdigen Ergebnissen der zudem relativ zeitaufwendigen DBPCFC-Testreihen ist heute die koloskopische Allergen-Provokation (COLAP) eine ergänzende oder alternative diagnostische Maßnahme. Dabei werden den Patienten über den Arbeitskanal eines Koloskops kleine Mengen standardisierter Testallergen-Lösungen in die Darmschleimhaut injiziert. Anhand Art und Ausmaß der lokalen Reaktionen lassen sich verbindlicher als bei der normalen Hauttestung ursächliche Nahrungsmittelallergene festlegen.

Welchen Nutzen haben IgG-Analysen?

Privatdozentin Dr. Kirsten Jung aus Erfurt wandte sich - im Konsens mit allen anderen Experten des Podiums - gegen die IgG-Bestimmung zum Nachweis spezifischer Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten. Bisher gäbe es keine Studien, die einen Nutzen des Weglassens von Nahrungsmittel-Bestandteilen belegten, die mit diesem Verfahren als suspekt beurteilt worden seien.

Weitere Informationen zum Thema Nahrungsmittel-Allergien, der Diagnostik und der Therapie davon betroffener Patienten: www.aerztezeitung.de

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