Ärzte Zeitung, 21.09.2005

Insektenstiche sind besonders für herzkranke Allergiker gefährlich

Nur wenige Menschen sterben an Insektengift-Allergie / Prophylaxe mit Immuntherapie

DAVOS (sto). Jedes Jahr sterben europaweit schätzungsweise 180 Menschen an den Folgen von Bienen- oder Wespenstichen. Die meisten der Betroffenen haben Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Atemwege.

Bei Wespengift-Allergie kann eine spezifische Immuntherapie helfen. Foto: dpa

Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht, räumt Professor Ulrich R. Müller aus Bern ein. Der Allergologe und Spezialist für Insektengiftallergie hat die wenigen verfügbaren Zahlen auf die Europäische Union hoch gerechnet.

In einigen Ländern liegt die Sterberate durch Insektengiftallergie in den offiziellen Statistiken zwischen 0,16 und 0,25 pro eine Million Einwohner. Für die Schweiz, wo die Todesursachenstatistik offenbar genauer ist, liegt die entsprechende Zahl bei 0,47 pro eine Million Einwohner, so Müller beim 21. Fortbildungskongreß "Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie" in Davos. Hochgerechnet auf die Bevölkerung Europas ergeben sich jährlich etwa 180 Tote durch Insektenstiche.

Etwa die Hälfte der Menschen, die bei einem Insektenstich einen anaphylaktischen Schock bekommen, sterben binnen 30 und drei Viertel binnen 90 Minuten, berichtete Müller. Die meisten Opfer sind zwischen 50 und 70 Jahre alt und haben chronische Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, wie eine Analyse bei 24 Gestorbenen ergeben hat. Bei einem Patienten war es nach einem Wespenstich sogar zu einem Myokardinfarkt gekommen, an dem der er dann starb, berichtete Müller.

Der Schweizer Allergologe hat auch versucht herauszufinden, wie lange eine spezifische Immuntherapie (SIT) wirkt. Demnach treten bei zehn Prozent der Bienengiftallergiker und bei 7,5 Prozent der Wespengiftallergiker nach drei bis sieben Jahren nach einer Hyposensibilisierung wieder allergische Reaktionen auf.

Das Rückfallrisiko nimmt mit dem Alter zu und ist bei Patienten, die allergisch auf einen Bienenstich reagieren, höher als bei Wespengiftallergikern, erklärte Müller. "Kinder und Jugendliche sind generell besser dran als Erwachsene", sagte er. Das Risiko, daß eine SIT ihre Wirkung verliert ist zudem höher, wenn die Hyposensibilisierung weniger als fünf Jahre lang vorgenommen wurde.

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