Ärzte Zeitung, 22.06.2006

Desensibilisierung gegen Wespengift lohnt sich

Hohe Schutzrate nach Immuntherapie / Dosissteigerung in zwei Tagen / Schwere systemische Reaktion ist sehr selten

LEIPZIG (scho/ikr). Die spezifische Immuntherapie, Hyposensibilisierung) bei Patienten mit Insektengiftallergie ist nicht nur eine hocheffektive, sondern auch komplikationsarme Behandlung. Vereinfacht wird die Therapie durch immer kürzere Aufdosierungsphasen.

Der Stich einer Wespe ist für 600 000 Insektengiftallergiker in Deutschland eine bedrohliche Situation - außer sie sind desensibilisiert. Foto: dpa

Für die etwa 600  000 in Deutschland lebenden Insektengiftallergiker nähert sich mit dem Beginn des Sommers wieder die Zeit der besonderen Vorsicht. Ein Stich durch Wespen oder Bienen kann bei solchen Patienten bekanntlich zu schweren systemischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen.

Allein in Deutschland ereignen sich jährlich bis zu 20 Todesfälle durch Insektenstiche, hat der Allergologe Dr. Dieter Stiller aus Fürstenwalde bei einem Symposium des Unternehmens Bencard in Leipzig berichtet.

Die subkutane Immuntherapie (SCIT) ist bei Insektengiftallergie eine sehr effektive Behandlung: 80 bis 100 Prozent der Patienten tolerieren anschließend einen Stich mit dem entsprechenden Insekt reaktionslos.

Vereinfacht wird die SCIT mittlerweile durch Ultra-Rush-Verfahren. Hierbei dauert die Dosissteigerung zur üblichen Höchstdosis von 100 µg Insektengift nur zwei Tage. Bei der in Deutschland derzeit vorwiegend üblichen konventionellen Rush-SCIT dauert die Dosissteigerung bis zu einer Woche.

An die Aufdosierungsphase, die mit den beiden genannten Verfahren nach der neuen Leitlinie der deutschen allergologischen Fachgesellschaften zur spezifischen Immuntherapie stationär erfolgen sollte, sollte sich eine drei- bis fünfjährige ambulante Therapie mit einer Erhaltungsdosis von 100 µg Insektengift alle vier Wochen anschließen.

Insgesamt 1112 Patienten mit Bienen- oder Wespengiftallergie hat Stiller von 1993 bis 2005 in seiner Praxis mit verschiedenen Produkten hyposensibilisiert. Bei 40 Prozent kam es zu unerwünschten Wirkungen, es waren jedoch meist nur lokale Reaktionen. Bei lediglich 0,45 Prozent der Patienten mit Wespengiftallergie kam es zu schweren systemischen Reaktionen, bis hin zum Schock. Umgerechnet auf die Anzahl der Injektionen bedeutet dies, daß es im Durchschnitt nach 8385 Wespengift-Injektionen zu einer bedrohlichen Komplikation kommt, sagte Stiller.

Weitere Infos zur spezifischen Immuntherapie gibt es im Internet unter http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-004.htm

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