Ärzte Zeitung, 04.07.2006

Bei Insektengift-Allergie hilft eine spezifische Immuntherapie

Hyposensibilisierung schützt Patienten vor systemischen Reaktionen auf Bienen- und Wespengift / Erfolgsrate liegt bei über 85 Prozent

LEIPZIG (scho). Bei bis zu fünf Prozent der Bevölkerung kommt es nach einem Bienen- oder Wespenstich zu systemischen Reaktionen wie generalisierten Hautreaktionen und Blutdruckabfall bis hin zu Schock und Herz-Kreislaufstillstand. Erneuten Reaktionen dieser Art kann durch eine spezifische Immuntherapie wirksam vorgebeugt werden.

Eine Biene sticht einen Menschen. Für Insektengift-Allergiker kann dies lebensbedrohlich sein. Foto: dpa

Nach Angaben des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) werden bisher nur zehn Prozent der Insektengiftallergiker mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) behandelt. Bei Patienten mit systemischen Reaktionen und nachgewiesener IgE-vermittelter Sensibilisierung stellt sie jedoch die einzige kausale Therapie dar.

Hierbei wird in einer mehrtägigen stationären Einleitungsphase ein Insektengiftextrakt in steigender Dosierung bis zur Maximaldosis subkutan injiziert. Danach wird die Therapie über drei bis fünf Jahre ambulant fortgesetzt - mit einer Erhaltungsdosis von 100 µg des Insektengiftextraktes alle vier Wochen. Unerwünschte Wirkungen sind hierbei selten.

Der große Nutzen einer solchen Therapie ist in einer Studie bestätigt worden, sagte die Internistin Anne Moeser auf einem Symposium des Unternehmens Bencard in Leipzig. Untersucht wurde die Wirksamkeit einer SIT bei knapp 200 Patienten, die sich zwischen 1980 und 2000 einer Hyposensibilisierung gegen Bienen- oder Wespengift unterzogen hatten.

Von diesen Patienten wurden knapp 130 nach der Therapie erneut von einem Insekt gestochen. Lediglich zwölf Prozent reagierten mit einer systemischen Reaktion auf den Stich. Die Ergebnisse werden durch Literaturangaben bestätigt, wonach das Rezidivrisiko bei hyposensibilisierten Betroffenen nach fünf bis sieben Jahren 7,5 bis 19 Prozent beträgt.

Besonders gefährdet für erneute allergische Reaktionen seien Patienten, die die Hyposensibilisierung vorzeitig abbrechen, so Moeser von der Klinik für Innere Medizin der Universitätsklinik Jena. In diese Gruppe gehörten 40 Prozent der in der Studie behandelten Patienten, die ein Rezidiv erlitten.

Weitere Risikofaktoren für erneute systemische Reaktionen nach Insektenstichen seien eine länger zurückliegende SIT sowie eine erhöhte basale Tryptase-Serum-Konzentration. Tryptase ist eine weitgehend Mastzell-spezifische Serinendoprotease, die bei anaphylaktischen Reaktionen freigesetzt wird.

Da bei Insektengiftallergikern auch nach einer SIT mit systemischen Reaktionen nach einem Stich gerechnet werden müsse, sei es wichtig, auch diesen Patienten Notfallmedikamente zu verschreiben, so Moeser. Hierzu zählen ein rasch wirksames Antihistaminikum, ein orales Glukokortikoid und Adrenalin zur Inhalation.

STICHWORT

Die SCIT

Die subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT) ist die einzig kausale Therapieform IgE-vermittelter allergischer Erkrankungen. Durch zahlreiche immunologische Veränderungen entsteht über die Therapiedauer hinaus eine Toleranz gegenüber den verabreichten Allergenen. Dabei werden nicht modifizierte Allergene als wässrig oder physikalisch gekoppelte Semidepot-Extrakte sowie chemisch modifizierte Allergoide als Semidepot-Extrakte benutzt. Die SCIT ist besonders bei systemischen Reaktionen auf Insektengifte gut wirksam, aber auch bei Pollen-, Hausstaubmilben- und Schimmelpilzallergie.

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