Ärzte Zeitung, 21.11.2006

Sublingual-Tablette zähmt Graspollen-Allergie

Neue Option bei spezifischer Immuntherapie ist seit kurzem erhältlich / Symptome werden deutlich gelindert

NEU-ISENBURG (ikr). Für die sublinguale Immuntherapie bei Graspollen-Allergie gibt es jetzt eine Tablette. Sie erweitert die bisherigen Optionen: die subkutane Therapie mit Allergen-Präparaten und die sublinguale Therapie mit Tropfen.

Frau mit Heuschnupfen; mit Immuntherapie sinkt Arzneimittelbedarf. Foto: imago

Bei dieser Tablette, die vom Unternehmen Alk Scherax als Grazax® erhältlich ist, handelt es sich um ein standardisiertes Allergenpräparat aus Pollen von Wiesenlieschgras (Phleum pratense). Die Tablette wird unter die Zunge gelegt, wo sie sich in Sekundenschnelle auflöst. Die darin enthaltenen Allergene werden über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der neuen Therapie bestätigen erste Ergebnisse einer Phase-III-Studie bei 634 Patienten mit Graspollen-Allergie. Die Hyposensibilisierung begann mindestens vier Monate vor der Gräserpollen-Saison. Die Patienten erhielten täglich eine Tablette mit 75 000 SQ-T-Einheiten (Tabletten mit standardisierter Qualität) Graspollen-Allergen oder Placebo.

Primäre Endpunkte der Studie sind das durchschnittliche Ausmaß der allergischen Symptome während der Pollensaison sowie der Medikamentenverbrauch. Beurteilt wird beides nach einem Punktesystem. Es reicht von null (keine Symptome oder keine Bedarfsmedikation) bis fünf (sehr starke Symptome oder sehr hoher Medikamentenverbrauch).

Mit der Grastablette waren bereits während der ersten Pollensaison die Heuschnupfen-Symptome im Mittel um 30 Prozent geringer als mit Placebo (2,4 versus 3,4 Punkte). Und der Verbrauch an Medikamenten wie Antihistaminika und Kortikoide war um 38 Prozent geringer (1,4 versus 2,2 Punkte). Diese Unterschiede sind hochsignifikant, wie beim Kongreß der American Academy of Allergy, Asthma and Immunology in Florida in den USA berichtet worden ist.

Die Grastablette wurde von den Patienten allgemein gut vertragen. Es gab keine schweren unerwünschten Effekte. Am häufigsten waren leichte lokale Reaktionen wie Jucken und Anschwellen der Mundschleimhaut.

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