Ärzte Zeitung, 01.04.2008

Hochdosiertes Desloratadin stoppt Kältequaddeln

Beim Vierfachen der Standarddosis werden Patienten mit Kälteurtikaria fast vollständig symptomfrei / Cossover-Studie mit 30 Patienten

FRANKFURT/MAIN (hbr). Antihistaminika helfen Patienten mit chronischer Urtikaria oft nur begrenzt. Nach neuen Daten werden durch eine deutliche Steigerung der Desloratadin-Standarddosis von 5 mg auf 20 mg die Symptome einer Kälteurtikaria weitgehend reduziert.

Die bei Patienten mit erworbener Kälteurtikaria entstehenden Quaddeln waren mit der höheren Dosis nicht einmal halb so groß wie mit der bislang empfohlenen Dosierung. Das berichtete Professor Marcus Maurer von der Charité Berlin bei einer Veranstaltung von Essex in Frankfurt am Main.

An der Crossover-Studie AUDACU* nahmen 30 Patienten teil, die seit mindestens sechs Monaten eine Kälteurtikaria hatten. Sie erhielten jeweils drei Wochen lang täglich Desloratadin (Aerius®) in der Dosis von 5 mg oder in der vierfachen Dosis von 20 mg oder Placebo. Anschließend wurde ein lokaler Kältereiz von 4°C gesetzt.

Verglichen wurden die durch die Entzündungsreaktion überwärmte Hautfläche und das Quaddelvolumen. Das Volumen betrug sowohl unbehandelt als auch mit Placebo etwa 1100 mm³. Täglich 5 mg Desloratadin verringerten wie erwartet die Reaktion deutlich auf rund 400 mm³. Mit 20 mg verschwanden die Beschwerden dann fast vollständig: Im Mittel entstanden nur noch Quaddeln von 100 mm³. Auch die überwärmte Hautfläche verringerte sich mit steigender Dosis.

Mehr hilft also offenbar mehr. Ganz deutlich wurde das bei einem 62 Jahre alten Patienten: Seine Schwellentemperatur für Urtikariasymptome betrug 25°C. Sie sank mit einer Tagesdosis von 5 mg zunächst auf 14°C. Mit 20 mg traten gar keine Symptome mehr auf.

"Das ist die erste Studie, die belegt, dass höhere Dosen deutlich besser wirken als die Standarddosis und dass die Beschwerden bei deutlich mehr Patienten vollständig zurückgehen", betont Maurer.

Die Daten könnten also mehr Sicherheit in der Verschreibung bedeuten. Denn Urtikaria-Patienten profitierten zwar auch bisher schon von der Ersttherapie mit nicht-sedierenden Antihistaminika in Standarddosierung. Völlig symptomfrei wurde damit aber nur ein Teil von ihnen, nämlich nur 43 Prozent in 16 überprüften Studien, sagte Maurer. Für die Empfehlung der Leitlinien, bei ungenügendem Ansprechen die Dosis zu vervierfachen, habe es bis jetzt keine Belege gegeben.

AUDACU: Aerius updosing in aquired cold urticaria

STICHWORT

Kälteurtikaria

Bei Kälteurtikaria führt der Kontakt der Haut mit Kälte zu juckenden Quaddeln. Der Begriff Kälte ist allerdings relativ, denn die Schwellentemperatur variiert individuell stark.

So beginnen die Beschwerden bei manchen Patienten schon 4°C unterhalb der Hauttemperatur von rund 35°C. Je höher der Schwellenwert, um so stärker sind die Auswirkungen im Alltag. Viele Patienten haben Grenzwerte von 20°C und darüber. "Sie müssen Hauttemperaturen unter 20°C vermeiden", erläuterte Maurer. Das bedeutet nicht nur den Verzicht auf Skiurlaub und kalte Nahrung: Es beeinflusst alle Lebensbereiche und erfordert zum Beispiel beheizte Toilettensitze und vorheizbare Autos. (hbr)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »