Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 01.03.2010

Allergie - gute Datenlage zu Gräsertablette

Bei den Präparaten für die spezifische Immuntherapie bei Allergie-Patienten gibt es derzeit noch große Unterschiede hinsichtlich der Datenlage zur Wirksamkeit und Sicherheit. Das soll nach der TherapieallergeneVerordnung bald anders werden.

Von Petra Eiden

Allergie - gute Datenlage zu Gräsertablette

Deutlich weniger allergische Symptome wie Fließschnupfen und verstopfte Nase - das verspricht die Fünf-Gräser-Tablette. © Udo Kroener / fotolia.de

BERLIN. Bislang liegen nur für wenige Produkte zur spezifischen Immuntherapie (SIT) moderne, qualitativ hochwertige Studien vor. Die Unterschiede in der Evidenz sind auf die Zulassungsbestimmungen zurückzuführen: Für Fertigarzneimittel wird beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ein umfassendes Zulassungsdossier eingereicht. Die zugrunde liegenden Studien müssen allerdings erst seit August 2004 genehmigt werden und dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Daher genügen die Studien älterer Zulassungen womöglich nicht den heutigen Ansprüchen. Hinzu kommen individuelle Rezepturen, die bislang von der Zulassungspflicht ausgenommen sind.

Nach der Therapieallergene-Verordnung vom November 2008 soll sich dies ändern: Ab Ende 2011 müssen alle SIT-Präparate mit häufig verwendeten Allergenen wie Süßgräsern, Frühblühern oder Milben eine Zulassung haben. Daher rät Professor Claus Bachert aus Krefeld/Gent, sich über die Evidenz zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Präparaten zu informieren, die zur Hyposensibilisierung eingesetzt werden.

Wie Privatdozent Randolf Brehler aus Münster bei einem Expertentreffen von Stallergenes erklärte, gibt es bereits heute einige evidenzbasierte Produkte. Zu ihnen gehört die Sublingualtablette Oralair®, die einen Extrakt aus fünf Gräserpollen enthält. So reduzierte nach Angaben von Brehler eine Dosis von 300 IR bei Erwachsenen mit Gräserpollenallergie in einer Studie die Symptome im ersten Jahr signifikant um 30 bis 40 Prozent und nach drei Jahren um 50 Prozent gegenüber Placebo. In einer weiteren Studie wurde die Lebensqualität während der Saison signifikant verbessert (Clin Exp Allergy 39, 2009, 394-400). Bei Kindern verringerte die Sublingualtablette die Symptome innerhalb einer Saison signifikant um 39 Prozent (Allergy Clin Immunol. 123, 2009, 160).

Nach Angaben von Professor Karl-Christian Bergmann aus Berlin belegte außerdem erstmals eine aktuelle Phase-II/III-Studie die Wirksamkeit einer Sublingualtablette bei Erwachsenen mit Milbenallergie. Die Zulassung ist in Vorbereitung. Eine Dosierung von 300 IR besserte innerhalb von einem Jahr alle Rhinitisscores und die Lebensqualität signifikant gegenüber Placebo. Die überlegene Wirksamkeit begann nach vier Monaten und blieb bis Studienende.

Mehr zur Therapieallergene-Verordnung auf: http://www.rechtliches.de/ info_Therapieallergene-Verordnung.html

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie?

Ein neuartiges Therapieverfahren weckt große Hoffnungen bei der Behandlung von akutem Schlaganfall. Jetzt hat es sich in Studien und auch in der Praxis bewährt. Experten jubeln: Die neue Methode wird die Schlaganfall-Therapie grundsätzlich verändern! mehr »

112 - Heute ist Europäischer Notruf-Tag

Nur etwa jeder vierte Europäer kennt die EU-weite Notrufnummer 112. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die EU-Kommission in Brüssel anlässlich des Europäischen Notruf-Tags vorgestellt hat. Die Notrufnummer 112 ist rund um die Uhr und kostenfrei in Europa erreichbar. mehr »

Streit um frühe Nutzenbewertung eskaliert

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) scharf kritisiert. Das Institut missachte Standards der evidenzbasierten Medizin. Das IQWIG kontert: Die Vorwürfe sind unsachlich. mehr »