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Anaphylaxie-Patienten brauchen Adrenalininjektor

BOCHUM (aza). In der Versorgung von Patienten mit Anaphylaxie klaffen aktuelle Empfehlungen und Realität weit auseinander. In einer Studie aus der Schweiz haben sich gravierende Defizite bestätigt, die unter Umständen lebensgefährlich sein können.

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Nicht einmal jeder fünfte Patient mit Anaphylaxie erhält in der Akutsituation das in Leitlinien empfohlene Adrenalin. © Peter Jobst / fotolia.com

Nicht einmal jeder fünfte Patient mit Anaphylaxie erhält in der Akutsituation das in Leitlinien empfohlene Adrenalin. © Peter Jobst / fotolia.com

© Peter Jobst / fotolia.com

Die in Leitlinien enthaltenen Therapieempfehlungen zur Akuttherapie bei Anaphylaxie werden unterschiedlich umgesetzt, konstatieren Professor A. Helbling aus Bern und seine Mitarbeiter in der Zeitschrift "Allergologie" (32/9, 2009, 358). So gelte weltweit Adrenalin als die Therapie der Wahl bei jeder schweren Hypersensitivitätsreaktion. Doch in der Praxis werde Adrenalin offenbar noch zu selten eingesetzt.

Das bestätigt die Auswertung der Akutversorgung von 54 Anaphylaxie-Patienten. Sie waren im Jahre 2008 wegen einer schweren, generalisierten Hypersensitivitätsreaktion mit Schock, Blutdruckabfall oder Kollaps zur Abklärung in die Allergiestation am Zieglerspital Bern gekommen. 48 der Betroffenen (89 Prozent) wurden in der Akutsituation von Ärzten, die übrigen sechs von Angehörigen versorgt. Insgesamt 37 Prozent der Patienten - allesamt Insektengift-Allergiker - hatten bereits zum wiederholten Male eine systemische Reaktion. Dennoch war von diesen nicht einmal ein Drittel im Besitz eines Notfallsets mit Antihistaminika und Glukokortikoiden.

Außerdem verfügte kein einziger Patient über einen Adrenalin-Autoinjektor. Und nur 17 Prozent der Betroffenen mit Anaphylaxie hatten in der Akutsituation Adrenalin erhalten - die meisten erhielten lediglich Antihistaminika und Glukokortikoide. Damit entspreche die Akutbehandlung bei Anaphylaxie nicht den allgemeinen Leitlinien, bemängeln die Schweizer Allergologen.

Nach Einschätzung der Experten erscheint eine Schulung über die richtige Behandlung bei Anaphylaktie nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte sehr wichtig. Dies könnte helfen, potenzielle Todesfälle oder bleibende Schäden durch Anaphylaxie zu verhindern.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Tod durch Allergie: Das ist vermeidbar!

Lesen Sie auch: Schwere Anaphylaxie nach Wespenstich ist häufig keine Eintagsfliege Bei jedem vierten Anaphylaxie-Patienten lautet die Devise: Adrenalin intramuskulär

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