Ärzte Zeitung, 12.02.2010
Anaphylaxie-Patienten brauchen Adrenalininjektor
Anaphylaxie ist bei jedem dritten Patienten ein wiederholtes
Ereignis
BOCHUM (aza). In der Versorgung von Patienten mit
Anaphylaxie klaffen aktuelle Empfehlungen und Realität weit
auseinander. In einer Studie aus der Schweiz haben sich gravierende
Defizite bestätigt, die unter Umständen
lebensgefährlich sein können.

Nicht einmal jeder fünfte
Patient mit Anaphylaxie erhält in der Akutsituation das in
Leitlinien empfohlene Adrenalin. © Peter Jobst / fotolia.com
Die in Leitlinien enthaltenen Therapieempfehlungen
zur Akuttherapie bei Anaphylaxie werden unterschiedlich umgesetzt,
konstatieren Professor A. Helbling aus Bern und seine Mitarbeiter in
der Zeitschrift "Allergologie" (32/9, 2009, 358).
So gelte weltweit Adrenalin als die Therapie der Wahl bei jeder
schweren Hypersensitivitätsreaktion. Doch in der Praxis werde
Adrenalin offenbar noch zu selten eingesetzt.
Das bestätigt die Auswertung der Akutversorgung von
54 Anaphylaxie-Patienten. Sie waren im Jahre 2008 wegen einer schweren,
generalisierten Hypersensitivitätsreaktion mit Schock,
Blutdruckabfall oder Kollaps zur Abklärung in die
Allergiestation am Zieglerspital Bern gekommen. 48 der Betroffenen (89
Prozent) wurden in der Akutsituation von Ärzten, die
übrigen sechs von Angehörigen versorgt. Insgesamt 37
Prozent der Patienten - allesamt Insektengift-Allergiker - hatten
bereits zum wiederholten Male eine systemische Reaktion. Dennoch war
von diesen nicht einmal ein Drittel im Besitz eines Notfallsets mit
Antihistaminika und Glukokortikoiden.
Außerdem
verfügte kein einziger Patient über einen
Adrenalin-Autoinjektor. Und nur 17 Prozent der Betroffenen mit
Anaphylaxie hatten in der Akutsituation Adrenalin erhalten - die
meisten erhielten lediglich Antihistaminika und Glukokortikoide. Damit
entspreche die Akutbehandlung bei Anaphylaxie nicht den allgemeinen
Leitlinien, bemängeln die Schweizer Allergologen.
Nach Einschätzung der Experten erscheint eine
Schulung über die richtige Behandlung bei Anaphylaktie nicht
nur für Patienten, sondern auch für Ärzte
sehr wichtig. Dies könnte helfen, potenzielle
Todesfälle oder bleibende Schäden durch Anaphylaxie
zu verhindern.
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