Donnerstag, 23. Oktober 2014
Ärzte Zeitung online, 18.10.2012

Heilung mit Hypnose

Freiheit statt Apfel-Allergie

Einschlafen ohne Probleme, kein Ärger mehr mit der Apfel-Allergie: Die Hypnose soll es möglich machen. Beim Hypnose-Kongress sind "bemerkenswerte" Therapien vorgestellt worden.

Freiheit statt Apfel-Allergie

Mit dem Pendel in Trance - Hypnose soll auch gegen Allergien helfen, versprechen Hypnotherapeuten.

© McPhoto / imago

BREMEN (stg). Hypnose kann nicht nur Ängste lindern oder die Betäubungsspritze beim Zahnarzt ersetzen, sondern angeblich auch Allergien bis hin zu Neurodermitis heilen. Das behauptet jedenfalls der Mainzer Hypnotherapeut und Zahnmediziner Dr. Eberhard Brunier.

Auf dem 19. Internationalen Hypnose-Kongress, der noch bis Sonntag in Bremen stattfindet, demonstrierte Brunier am Donnerstag seine Methode.

Nach seiner Darstellung zeigen sich schon nach zwei (selbst zu bezahlenden) Therapiestunden bei 70 bis 80 Prozent der Patienten Erfolge. Verschriebene Medikamente sollten allerdings zunächst nicht abgesetzt werden, meinte der Therapeut.

Laut Brunier wirkt die Hypnose, indem "ich mein Unbewusstes bitte, mir zu helfen". Für eine Heilung sei ein zentrales Ziel nötig. Gesund werden zu wollen, reiche nicht.

Vielmehr gehe es darum, "seine eigene Wesensnatur, seine Basis, sein Freisein wiederzuerkennen": "Ich bin frei, ich bin einmalig, ich bin bei mir." Dieses Ziel sei wie der erste Stein einer Dominokette - das Gesundwerden sei erst der zweite Stein.

Am Beispiel einer Zuhörerin mit allergisch geschwollenen Augen führte Brunier seine Methode vor. Durch Worte versetzte er sie in Trance: Sie solle sich eine Wiese oder einen "angenehmen Zustand" wie in einem Whirlpool vorstellen.

Hypnose auch gegen Schlafstörungen

Als Symbol für die eigene Freiheit sollte sie eine Farbe benennen und als Helfer ein kraftvolles Tier. Die Farbe sei im Laufe des Lebens schmutzig geworden und werde nun gereinigt.

Dann sollte die Versuchsperson ihr Unbewusstes nach der Ursache der bisherigen Unfreiheit befragen, etwa Schuld oder Wut. Als sie angeblich die Antwort spürte, führte sie auf Bruniers Anregung eine Hand an die Schläfe: Damit sei sie "von einer Lösung berührt". Nach der Hypnose soll die Patientin täglich zu einer bestimmten Zeit an die symbolische Farbe denken.

Brunier hat nach eigenen Worten unter anderem einen jungen Apfel-Allergiker geheilt. Allerdings klagte die Mutter hinterher: "Mein Sohn macht jetzt Rebellion und lässt sich nichts mehr gefallen."

Auf dem Bremer Kongress geht es neben vielen anderen Krankheiten auch um Schlafstörungen. Die Diplom-Psychologin Dr. Angelika Schlarb von der Universität Tübingen hat mit Kollegen eine Therapie entwickelt, bei der die Patienten auch in Trance versetzt werden.

Dabei stellen sie sich zum Beispiel einen Regentropfen vor, der mit anderen zum Rinnsal und zum Fluss wird und ganz allein seinen Weg ins Meer findet. "Einfach mitfließen, nichts tun müssen", lautet hier die Botschaft.

Wer gerne Schäfchen zählt, um sich vom Grübeln abzuhalten, könnte nach Ansicht von Schlarb "ein intelligenteres System" verwenden: im Geiste ein Bild in immer derselben Abfolge malen - erst ein Haus, dann die Tür, Fenster, Kamin, Rauch, Garten mit Blumen, Sonne am Himmel, fliegende Vögel.

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