Ärzte Zeitung, 05.06.2013

Heuschnupfen

Noch eine Indikation für Botulinumtoxin?

Nasendusche, Antihistaminika und Steroide sind die herkömmlichen Optionen bei allergischer Rhinitis. Geht es nach Kollegen aus dem Iran, könnte bald eine weitere hinzukommen: Botulinumtoxin.

Von Beate Schumacher

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Heuschnupfen - bald ein Fall für Botulinumtoxin?

© franke/imagebroker/imago

ISFAHAN/IRAN. Die Liste medizinischer Indikationen für eine Behandlung mit Botulinumtoxin (BTX) ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Geht es nach HNO-Ärzten der Universität Isfahan im Iran, könnte bald ein weiteres Anwendungsgebiet hinzukommen.

"BTX-A ist eine potenzielle Behandlung für Patienten mit allergischer Rhinitis, die auf die Standardmedikamente nicht ansprechen", schreiben Dr. Sayyed Mostafa Hashemi und Kollegen in "Allergology International" (Allergol Int 2013, online 25. April).

Die iranischen HNO-Ärzte sind nicht die ersten, die das Bakteriengift - mit Erfolg - bei allergischer Rhinitis (AR) getestet haben. Anders als in früheren Untersuchungen haben sie die Studienbehandlung aber direkt mit einer herkömmlichen Therapie verglichen.

Insgesamt 50 Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder täglich 10 mg Cetirizin oder einmalig je eine Injektion von 75 IU BTX-A (Dysport®) in beide unteren Nasenmuscheln.

Der Schweregrad der AR-Symptome, der über zwei Monate hinweg in zweiwöchentlichem Abstand abgefragt wurde, besserte sich in beiden Gruppen signifikant. Bewertet wurden fünf Symptome - Niesen, Rhinorrhö, nasale Kongestion, Juckreiz in der Nase und Augensymptome - mit jeweils 0 (keine Beschwerden) bis 3 Punkten (starke Beschwerden).

Mit BTX-A ging der Gesamtscore bis zum Studienende um 5,1 Punkte (von 10,8 auf 5,6) und mit dem Antihistaminikum um 5,6 Punkte (von 9,8 auf 4,1) zurück. Damit war der Unterschied zwischen den Therapien nicht signifikant.

Möglicherweise nützt BTX

Mit BTX-A wurde auch bei jedem einzelnen Symptom eine signifikante Besserung erzielt, mit Cetirizin nur bei den nasalen Symptomen. In Bezug auf die Augensymptome erwies sich also BTX-A als effektiver, beim nasalen Juckreiz war Cetirizin überlegen. Die rhinitisbezogene Lebensqualität verbesserte sich in beiden Gruppen gleichermaßen.

Als Nebenwirkung der BTX-Behandlung berichteten 4 Prozent der Patienten über eine trockene Nasenschleimhaut, bei ebenfalls 4 Prozent war nach der Injektion leichtes Nasenbluten aufgetreten, das mittels Kompression gestillt werden konnte. Von den Cetirizin-Patienten klagten 44 Prozent über Schläfrigkeit und 4 Prozent über einen verzerrten Visus.

Das abschließende Fazit von Hashemi und Kollegen: "Nasale Injektionen von BTX-A haben bei AR dieselbe therapeutische Wirkung wie Cetirizin." Mechanistisch lässt sich das mit anticholinergen und apoptotischen Effekten von Botulinumtoxin erklären.

Als Therapie der ersten Wahl sehen die iranischen HNO-Ärzte das teure Toxin jedoch nicht. "Möglicherweise ist BTX von Nutzen, wenn AR-Patienten Antihistaminika oder intranasale Steroide nicht vertragen oder nicht darauf ansprechen."

Zuvor seien allerdings größere Studien erforderlich, um die Langzeitwirkung der Behandlung im Vergleich zu etablierten Medikamenten gegen allergische Rhinitis zu untersuchen.

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