Ärzte Zeitung, 07.03.2014

Der Frühling kommt

Allergie-Alarm immer früher und länger

In den nächsten Tagen soll es frühlingshaft warm werden. Pollenallergiker sollten sich jetzt schon wappnen. Und Ärzte sollten daran denken, die Medikation rechtzeitig hochzufahren.

Von Beate Schumacher

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Bereits seit Januar blühen Hasel und Erle, nun folgen die Birken.

© seite 3 / fotolia.com

MÜNCHEN. Wer allergisch ist gegen Frühblüher, hat dieses Jahr schon im Januar den Frühling spüren können. Seitdem blühen Hasel und Erle, nun folgen die Birken und treiben Pollenallergiker in die Sprechstunden, wie Professor Joachim Saloga von der Universitätsklinik Mainz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" berichtete.

In den kommenden warmen Tagen rechnet der Allergologe mit einer weiteren Zunahme des Pollenflugs. Saloga empfiehlt entsprechend sensibilisierten Patienten, "rechtzeitig die Medikamente hochzufahren".

Das sei günstiger, als den Beschwerden hinterherzuhängen, wenn sich die Entzündung bereits deutlich verschlimmert habe. Damit die Patienten so gezielt reagieren könnten, müsse jedoch im Vorfeld eine entsprechende Allergiediagnostik durchgeführt werden, betonte Saloga.

Städte sind für Pollenallergiker übrigens nicht notwendig die "sichereren" Aufenthaltsorte als das Land. Laut Saloga gibt es Hinweise, dass Pollenallergene unter dem Einfluss von Umweltgiften vermehrt freigesetzt werden.

Das Zusammenwirken von Schadstoffen und Pollen könne außerdem Sensibilisierung und Allergiesymptome verstärken.

Der Leiter der diesjährigen Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI) warnt vor einer generellen Zunahme von Allergenen. Auch ganzjährige Allergene, etwa Milben, würden sich durch die immer wärmeren Wohnräume zunehmend ausbreiten.

Allergie kein typische Kinderkrankheit mehr

Hinzu kommen neuartige Allergene wie die Pollen des Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia). Angeheizt wird die Situation durch die Klimaerwärmung: Immer längere Blühperioden bewirken, dass die Allergiesaison sich nach vorne und hinten ausdehnt.

Die veränderte Dauer allergischer Erkrankungen betrifft auch die Lebenszeit: Früher galten Allergien als Krankheit des jungen Menschen. Auch heute beginnt die Erkrankung typischerweise im (frühen) Schulalter.

Etliche Patienten entwickeln jedoch erstmals im Alter über 60 Jahren Symptome einer Allergie, die nachweislich auf eine Sensibilisierung zurückgehen. Saloga macht die Zunahme ungünstiger Umwelteinflüsse und die verbesserte Hygiene für diese "Spätentwickler" verantwortlich. Eine Rolle spielt wohl auch die zunehmende Vitalität älterer Patienten, deren Immunsystem länger aktiv bleibt.

Ob jemand schon in der Schulzeit oder erst in der Rente erkrankt, macht für die Allergietherapie prinzipiell keinen Unterschied.

Das gilt sogar für die spezifische Immuntherapie, die idealerweise zu Beginn einer Allergiekarriere durchgeführt werden sollte. "Das chronologische Alter ist kein Hindernis für eine Hyposensibilisierung", so Saloga.

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