Ärzte Zeitung online, 20.05.2014

Uni in Madrid hat Probleme

Chaos im Leichenkeller

"El Mundo" spricht von einer "Horrorkammer": Im Leichenkeller einer Madrider Uni stapeln sich nach einem Enthüllungsbericht der Zeitung seit Jahren chaotisch Dutzende, ja Hunderte von leblosen Spenderkörpern. Die Hochschule reagiert und verspricht nun Abhilfe.

MADRID. Grauenerregender Medizinskandal an der Madrider Universität Complutense: Im Leichenkeller des anatomischen Instituts der Uni stapeln sich nach einem Bericht der Zeitung "El Mundo" rund 250 leblose Spenderkörper pietätlos und "ohne jede Kontrolle und Hygiene". Die Leichen lägen dort zum Teil seit sieben Jahren bei Zimmertemperatur herum, schrieb das Blatt am Montag unter Berufung auf Institutsangehörige.

Die renommierte Uni räumte "Probleme" ein. Aufgrund der Krise und der Kürzungen haben man frei gewordene Stellen nicht neu besetzen können, heißt es. In einer Mitteilung wird aber versichert, dass man erst vor ein paar Tagen mit einem Beerdigungsunternehmen ein Abkommen zur "Beseitigung" der Leichen erzielt habe, die noch in der laufenden Woche beginnen werde.

Der Leiter des anatomischen Instituts, Ramón Mérida, wurde von "El Mundo" mit den Worten zitiert: "Wir sind ja nicht reich (...) der Angestellte, der den Verbrennungsofen bedient hatte, ist im Dezember in den vorzeitigen Ruhestand gegangen." Man habe die Stelle unter anderem aber auch deshalb nicht neu besetzen können, weil die Gewerkschaften sich darüber beklagt hätten, dass der 1991 installierte Ofen gesundheitsschädliche Gase ausstoße.

"Die Horrorkammer mit Dutzenden und Dutzenden von zum Teil offenbar mumifizierten Leichen" ist 25 bis 30 Quadratmeter klein und "überfüllt", berichtet "El Mundo". Das Blatt spricht von einem "Horrorfilm" und von "riesigen Leichenstapeln", die gefährlich und gesundheitsschädlich seien. Es unterlegt den Bericht mit gruseligen Bildern. Die Hochschule ließ wissen, die Fotos seien ohne die nötige Genehmigung gemacht worden. Die Echtheit der Bilder wird aber nicht bestritten. (dpa)

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