Ärzte Zeitung, 18.08.2015

Allergien

Abgase machen Ambrosia noch aggressiver

Ambrosia-Pollen gelten ohnehin schon als stark allergen. Diese Wirkung verstärkt sich allerdings noch mehr durch Luftverschmutzung - denn die setzt die Pflanze unter Stress, wie Münchener Forscher herausgefunden haben.

NEUHERBERG. Pollen des Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia) weisen gesteigerte Allergenmengen auf, wenn die Pflanze Stickstoffdioxid-haltigen Abgasen ausgesetzt wird, haben Forscher des Helmholtz Zentrum München entdeckt (Plant, Cell & Environment 2015; online 14. Juli).

Zusammen mit der Abteilung für Proteinanalytik und dem Lehrstuhl für Umweltmedizin der TU München sowie dem Forschungsverbund UNIKA-T und dem Christine Kühne - Center for Allergy Research and Education aus der Schweiz untersuchten Forscher des Instituts für Biochemische Pflanzenpathologie (BIOP), wie sich Stickoxide auf die Pollen der Pflanze auswirken.

Stress für die Pflanze

Konkret begasten sie die Pflanzen mit verschiedenen Mengen von NO2, was etwa bei der Verbrennung von Treibstoff entsteht. "Unsere Daten zeigten, dass der durch NO2 verursachte Stress auf die Pflanze die Protein-Zusammensetzung der Pollen verändert", wird Erstautor Dr. Feng Zhao in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums zitiert.

"Verschiedene Formen des bekannten Allergens Amb a 1 waren deutlich erhöht." Zudem beobachteten die Wissenschaftler, dass die Pollen von NO2 behandelten Pflanzen deutlich stärker an spezifische IgE-Antikörper von Ambrosia-Allergikern banden. Dies ist oft der Beginn einer allergischen Reaktion beim Menschen.

Und: Bei ihren Untersuchungen entdeckten die Forscher ein Protein, was speziell bei erhöhten NO2-Werten auftrat. Dieses sei bis dato als Ambrosia Allergen unbekannt und habe starke Ähnlichkeit mit einem Protein aus Gummibäumen, teilt das Helmholtz Zentrum mit. Dort sei es zuvor als Allergen beschrieben worden, und auch in Schimmelpilzen und weiteren Pflanzen sei diese Wirkung bekannt.

Luftverschmutzung verschlimmert Situation

"Letztlich ist damit zu rechnen, dass die ohnehin schon aggressiven Ambrosia Pollen durch die Luftverschmutzung in Zukunft noch allergener werden" fasst Studienleiterin Dr. Ulrike Frank die Ergebnisse in der Mitteilung zusammen. Da Ambrosia erst im Spätsommer blüht, verlängert sie die "Saison" für Allergiker.

"Nachdem bereits gezeigt wurde, dass an Autobahnen wachsende Ambrosia deutlich allergener ist als ihre Verwandten abseits der Straße, konnten wir nun einen Grund dafür liefern", ordnet Frank die Ergebnisse ein. "Da in der Natur und an Straßen hunderte Parameter eine Rolle spielen könnten, war die Lage bisher nicht eindeutig."

Künftig wollen die Helmholtz-Wissenschaftler in Kooperation mit UNIKA-T und dem Christine Kühne - Center for Allergy Research and Education zeigen, dass die nur mit NO2-behandelten Pollen auch in vivo stärkere Reaktionen hervorrufen. (eb)

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