Ärzte Zeitung, 16.12.2015

Risiko Frühlingskind

Was der Geburtstag über das Allergie-Risiko verrät

Forscher haben die Geburtsdaten von Patienten, die mit schweren allergischen Schocks in Notaufnahmen gelandet sind, genauer unter die Lupe genommen. Mit überraschend deutlichem Ergebnis.

Von Thomas Müller

Was der Geburtstag über das Allergie-Risiko verrät

Forscher vermuten, dass bei im Frühjahr Geborenen die frühe Allergenexposition durch blühende Pflanzen das Allergierisiko erhöht.

© Stephanie Frey/Fotolia.com

PARMA. Patienten mit akuten allergischen Reaktionen sind in der Notaufnahme keine Seltenheit. Nach Schätzungen haben rund ein Prozent derjenigen, die eine Notaufnahme aufsuchen, eine akute Urtikaria, hinzu kommen Patienten mit anaphylaktischem Schock und lebensbedrohlichen Angioödemen in den oberen Atemwegen - etwa nach Kontakt mit Wespen oder Bienen.

Forscher um Dr. Gianfranco Cervellin von der Universität in Parma haben sich die Mühe gemacht, die Geburtsdaten solcher Patienten genau zu analysieren (Eur J Intern Med 2015, online 12. November). So gibt es Hinweise, wonach die Geburtsjahreszeit auch das Allergierisiko beeinflusst.

Welchen Einfluss haben blühende Pflanzen bei der Geburt?

In Bevölkerungsstudien sei etwa ein erhöhtes Risiko für Asthma und Allergien im Kindesalter beobachtet worden, wenn die Kinder im Herbst oder Winter zur Welt gekommen waren, berichten die Ärzte um Cervellin. Auf der anderen Seite könnte gerade eine frühe Allergenexposition durch blühende Pflanzen im Frühjahr das Risiko für allergische Erkrankungen erhöhen.

Das Team um Cervellin identifizierte 588 Patienten über 16 Jahren, die mit einer akuten Urtikaria (62 Prozent), einem akuten Angioödem (13 Prozent), beidem (16 Prozent) oder einem anaphylaktischen Schock (9,5 Prozent) im Jahr 2013 in der Notaufnahme der Uniklinik erschienen waren.

Bei knapp der Hälfte konnte der Auslöser nicht ermittelt werden, bei 21 Prozent ließen sich die Reaktionen auf ein Medikament zurückführen, bei 15 Prozent waren Nahrungsmittel die Ursache, bei 10 Prozent Insektenstiche und bei rund 4 Prozent Chemikalien.

Wie sich zeigte, waren Patienten mit einem Geburtsdatum im März, April oder Mai deutlich überrepräsentiert: Sie stellten 26,2 Prozent der Patienten mit akuten allergischen Problemen, in der Bevölkerung der Region haben die Frühlingsgeburten der entsprechenden Alterskohorte einen Anteil von 23,1 Prozent.

Kein Unterschied bei Insektenstichen

Insgesamt ergab sich daraus eine 12 Prozent erhöhte Rate für einen Notaufnahmebesuch aufgrund eines akuten allergischen Problems. Verglichen mit den im Herbst Geborenen war die Rate sogar um 19 Prozent erhöht.

Noch deutlicher waren die Unterschiede, wenn die Studienautoren nur schwere allergische Reaktionen wie Anaphylaxie betrachteten. Hier war der Anteil bei den im Frühjahr geborenen Patienten sogar um 86 Prozent höher als bei denen, die das Licht der Welt im Herbst erblickt hatten.

Das saisonale Muster fanden die Ärzte vor allem bei Patienten mit allergischen Reaktionen auf unbekannte Trigger und auf Medikamente, dagegen gab es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Geburtstermin und Allergien gegen Insektenstiche, Nahrungsmittel und Chemikalien.

Möglicherweise reagieren Menschen, die im Frühjahr geboren sind, besonders empfindlich auf bestimmte Allergene und sind daher auch vermehrt in der Notaufnahme aufgrund akuter allergischer Reaktionen anzutreffen. Die Ergebnisse müssen nun aber in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »