Ärzte Zeitung, 22.04.2004

Noch immer wissen viele Asthmatiker zu wenig über ihre Krankheit

Umfrage bei über 1000 Patienten offenbart Wissenslücken

WIESBADEN (nsi). Nur vier von zehn Asthmatikern wissen, wie sie sich bei einem Asthmaanfall im Notfall richtig verhalten sollten. Das hat eine EMNID-Umfrage unter 1002 Asthmatikern in Deutschland im Auftrag des Unternehmens Ratiopharm ergeben. Dennoch gaben 78 Prozent der Befragten an, sie hätten einen guten bis sehr guten Kenntnisstand zum Umgang mit ihrer Erkrankung.

Nur ein Viertel etwa hält Schulungen über das Thema für wichtig oder sehr wichtig. "Zwischen der Selbsteinschätzung von Asthmatikern über Asthma-Kenntnisse und dem tatsächlichen Wissen der Patienten klafft eine deutliche Lücke", sagte Professor Adrian Gillissen aus Leipzig beim Internistenkongreß in Wiesbaden. Beachtenswert sei diese Diskrepanz auch deshalb, weil die Patienten oft nicht optimal versorgt sind. Nur 60 Prozent gaben an, im Alltag keine größeren Probleme durch ihre Krankheit zu haben.

Die Patienten wurden über das Internet befragt. 48 Prozent berichteten, daß inhalative Kortikosteroide zu den Medikamenten ihrer Basistherapie gehörten, aber nur zehn Prozent gaben an, langwirksame Beta-2-Mimetika zu erhalten. "Beta-2-Mimetika sollten mindestens so häufig wie inhalative Steroide Bestandteil der Basistherapie sein", sagte Gillissen.

Nur 26 Prozent besitzen ein Notfall-Spray in Form eines kurz-wirksamen Beta-2-Mimetikums. Auch über Kortikosteroide sei das Wissen lückenhaft, so der Forscher: Nur die Hälfte der Befragten wußten von der antientzündlichen Wirkung und nur 51 Prozent glauben, daß die Medikamente ihren Krankheitszustand verbessern könnten.

Eine Chance, die Situation zu verbessern, sieht Professor Klaus Wahle, niedergelassener Allgemeinmediziner in Münster, darin, die Behandlung von Patienten mit Asthma in Disease Management Programme (DMP) einzubeziehen. "Ich gehe davon aus, daß DMP's außer für Diabetes und Mamma-Karzinome auch für Hypertonie und Asthma eingeführt werden."

Wahle sieht in den DMP's für Ärzte und Patienten Möglichkeiten, den Umgang mit der Krankheit zu optimieren. "Viele Ärzte haben eine Scheu davor, Patienten den aktuellen Leitlinien entsprechend zu behandeln, zum Beispiel auch Kortikosteroide einzusetzen, wenn die Indikation gegeben ist", sagte Wahle.

Auch bei den Patienten könnten DMP's das Verantwortungsbewußtsein im Umgang mit der Krankheit stärken. Regelmäßige Schulungen gehörten als fester Bestandteil zu den DMP's, so Wahle. Schulungen sollten 45 bis 90 Minuten dauern, sich in den Alltag des Patienten integrieren lassen und nicht nur Wissen, sondern vor allem Übung vermitteln.

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