Ärzte Zeitung, 04.06.2004

Bei der COPD ist die Angst vor einer Exazerbation groß

Befragung von Patienten und Ärzten in vier Ländern Europas / Erkrankte legen besonderen Wert auf einen stabilen Krankheitsverlauf

BRÜSSEL (grue). Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) fürchten besonders Exazerbationen. Ein stabiler Krankheitsverlauf ist ihnen deshalb wichtiger als eine rasche Besserung der Exazerbation. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 105 COPD-Patienten aus vier europäischen Ländern, darunter 25 aus Deutschland.

Wie Dr. John Haughney von der Universität Aberdeen bei einer Veranstaltung des Unternehmens AstraZeneca in Brüssel berichtet hat, hatten die COPD-Patienten im Mittel jährlich vier Exazerbationen für jeweils zwölf Tage. Während dieser Zeit sind die Patienten sehr ans Haus gebunden und müssen häufig ins Krankenhaus. Beides wird von den Betroffenen als gravierende Einschränkung empfunden.

"Die Befragten wollen ein halbwegs normales Alltagsleben ohne Exazerbationen führen", sagte Haughney, "das wünschen sie sich mehr als eine schnelle Überwindung der schweren Krankheitsphase." Der Begriff Exazerbation werde von Patienten ohnehin nicht verwendet, sie umschreiben diese Situation mit "Krise", "Attacke" oder "Brustkorbentzündung", so ein weiteres Ergebnis. Die akuten Verschlechterungen seien eine physische und psychische Belastung, so Haughney.

Viele Patienten sehen die wiederholten Krankheitsausbrüche als Ursache für depressive Stimmungen. Die parallel befragten Ärzte der COPD-Patienten schätzten das jedoch etwas anders ein. Sie sahen eine COPD-Exazerbation vor allem als physisches und weniger als psychisches Problem. Einig waren sich beide Gruppen aber im Behandlungsziel: Exazerbationen sollten vermieden werden, auch um die Lungenfunktion möglichst lange zu erhalten.

Haughney wies darauf hin, daß eine COPD-Therapie mit dem langwirksamen Bronchodilatator Formoterol und dem inhalativen Kortikoid Budesonid (vom Unternehmen als Fixkombination Symbicort® angeboten) das Risiko für Exazerbationen verringern kann, und zwar stärker als mit Formoterol allein.

Aus den Ergebnissen zweier klinischer Studien mit ingesamt mehr als 1800 Patienten wurde jetzt errechnet, daß pro Jahr einmal weniger wegen einer Exazerbation behandelt werden muß, wenn zwei Patienten mit der Fixkombination statt nur mit Formoterol behandelt werden. Dr. David Halpin aus Exeter sagte, dies sei ein überzeugender Beleg für eine effektive Therapie mit der Fixkombination.

STICHWORT

COPD

Unter einer COPD (chronic obstructive pulmonary disease) versteht man nach den Leitlinien der Deutschen Atemwegsliga eine funktionelle Beeinträchtigung der Lunge, die charakterisiert ist durch eine Kombination aus chronischem Husten, gesteigerter Sputumproduktion, Atemnot, Atemwegsobstruktion und eingeschränktem Gasaustausch. Der Atemwegsobstruktion liegt eine chronische Bronchitis oder ein Lungenemphysem zugrunde.

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