Ärzte Zeitung, 05.04.2005

Nur symptomorientierte Therapie bei COPD reicht nicht aus

Bei Diagnostik ohne Spirometrie laufen viele Patienten Gefahr, nicht angemessen behandelt zu werden / Spirometer werden optimiert

BERLIN (wst). In der COPD-Diagnostik sollte großer Wert auf eine qualifizierte Spirometrie gelegt werden, fordert Professor Helgo Magnussen aus Großhansdorf. Würden lediglich die Symptome berücksichtigt, sei damit zu rechnen, daß ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Patienten aufgrund einer fehlerhaften Diagnostik falsch behandelt werde.

Die Spirometrie ist für eine qualifizierte Diagnostik bei Verdacht auf COPD unerläßlich. Foto: AOK-Mediendienst

Magnussen untermauerte seine Aussage beim Pneumologen-Kongreß in Berlin mit den Ergebnissen einer noch unveröffentlichten Studie mit mehreren tausend zufällig ausgewählten Patienten aus über 100 Hausarztpraxen in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Hierbei bestätige sich, daß der über die Lungenfunktionsmessung ermittelte Schweregrad einer COPD gerade in leichten und mittleren Stadien oft wenig mit dem Ausmaß der klinischen Symptomatik korreliert.

So waren in der Untersuchung etwa 33 Prozent der Patienten mit einer spirometrisch gesicherten COPD des GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease)-Stadiums I und sogar 35 Prozent der Patienten des GOLD-Stadiums II asymptomatisch. Umgekehrt wurden in der Studie immerhin 118 Patienten gefunden, die trotz klassischer COPD-Symptome wie chronischer Husten, Auswurf und Atemnot in der Funktionsmessung völlig unauffällig waren.

Etwa die Hälfte der symptomatischen Patienten mit normaler Lungenfunktion wurde nach Angaben von Magnussen medikamentös antiobstruktiv behandelt, obwohl dadurch kein Nutzen zu erwarten sei.

Dagegen waren die Patienten mit klaren Obstruktionszeichen in der Spirometrie, aber fehlenden klinischen Symptomen mehrheitlich ohne eine antiobstruktive Therapie. Bei einer rein symptomorientierten Therapie blieben also viele COPD-Patienten, die eine Therapie benötigten, unbehandelt, so Magnussen. Er begrüßt es, daß in den aktuellen COPD-Disease-Management-Programmen die Spirometrie ein Muß ist.

Einmal gut geschult, leisten Hausärzte eine genauso zuverlässige Spirometrie wie der Spezialist im Lungenfunktionslabor, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung. Außerdem wird an der Entwicklung intelligenter Spirometer gearbeitet, die dank integrierter Funktions- und Plausibilitätskontrollen hoch sensibel falsche Messungen erkennen und als solche anzeigen oder gar nicht erst vollenden.

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