Ärztliche Allgemeine, 26.05.2005

Kurzatmigkeit: Die Extra-Hürde für COPD-Patienten

Gerade COPD-Kranke neigen aufgrund ihrer Kurzatmigkeit zu körperlicher Schonung. Das beeinträchtigt langfristig auch die motorische Koordination. Außer von Ausdauertraining profitieren sie deshalb von Übungen, die die Koordination verbessern.

Radeln zur körperlichen Ertüchtigung: Da können auch die meist älteren COPD-Patienten gut mitmachen! Foto: dpa

Durch körperliches Training läßt sich die Muskulatur von Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) so weit trainieren, daß sie mit weniger Sauerstoff mehr energiereiches ATP bilden kann. Das heißt: Trainierte können aus einem Liter eingeatmete Luft mehr Energie als untrainierte schöpfen (MMW-Fortschr Med 17, 2005, 388/51). Folge: Die Patienten werden belastbarer.

Das ist durch mehrere Trainingsprogramme bestätigt worden, sagt Professor Heinrich Worth, der Vorsitzende der Deutschen Atemwegsliga. In prospektiven Studien sei außerdem nachgewiesen, daß körperliche Aktivität bei COPD-Kranken die Lebensqualität bessert. Außerdem gehe die Zahl der Klinikaufenthalte zurück.

Ausdauersport wird meist gut vertragen

Empfohlen werden für COPD-Kranke vor allem Ausdauertraining wie es bei Walking, Radfahren oder Schwimmen möglich ist. Ausdauerleistungen werden recht gut vertragen, da die Belastungsintensität und damit Atemminutenvolumen und Luftströmung in den Atemwegen relativ niedrig liegen.

Günstig sind für die meist älteren COPD-Patienten auch Koordinationsübungen wie das Jonglieren mit Bällen. Gerade COPD-Patienten neigen aufgrund ihrer Kurzatmigkeit zu körperlicher Schonung. Und das beeinträchtigt langfristig die motorische Koordination.

Vor Trainingsbeginn wird eine gründliche Eingangsuntersuchung empfohlen. Hierbei sollte nach Angaben von Worth auch darauf geachtet werden, ob Kontraindikationen wie eine akute Atemwegsinfektion vorliegen. Außerdem sollte mit einer Spiroergometrie geprüft werden, wie stark Patienten durch die COPD belastet sind.

Patienten etwa, die eine COPD von leichtem bis mittlerem Schweregrad - Einsekundenkapazität (FEV1) von mindestens 60 Prozent des Sollwertes - und eine Belastbarkeit von mindestens 50 Watt (mehr als 1 Watt pro kg Körpergewicht) haben, aber ansonsten keine chronischen Krankheiten wie Diabetes oder KHK, können ohne weiteres an einer ambulanten Lungensportgruppe teilnehmen.

Vor Haupttraining Dehnübungen empfohlen

Zu empfehlen ist solchen Patienten ein Training von 60 bis 80 Minuten, und zwar mindestens einmal pro Woche: Zunächst ein etwa 20minütiges Aufwärmtraining mit Dehnübungen, eine Haupttrainingsphase, etwa Ausdauertraining von etwa 30 Minuten, und ein 20minütiges Training zum Abkühlen mit Dehn- und Streckübungen. Bei schwerer COPD ist eine Betreuung durch speziell ausgebildete Krankengymnasten und Bewegungstherapeuten nötig, etwa in atemtherapeutisch ausgerichteten Kliniken und Rehabilitationszentren.

Die COPD-spezifische Medikation, etwa mit Anticholinergika oder Kortikoiden, kann nach Angaben von Worth unabhängig vom Körpertraining erfolgen, etwa was den Zeitpunkt der Arzneimitteleinnahme und die Dosierung betrifft. (ikr)

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