Forschung und Praxis, 26.05.2006

Lehrer haben erhebliche Wissenslücken, wenn es um Asthma geht

Zeigen Asthmatiker im Sportunterricht erste Beschwerden, sollte die Belastung sofort unterbrochen werden. Foto: AOK Mediendienst

Die Asthmaprävalenz unter Schulkindern beziffern Experten mit rund zehn Prozent. Statistisch müßte damit jeder Lehrer pro Klasse mit durchschnittlich zwei bis drei Asthmatikern konfrontiert sein.

Dennoch können Kollegen nicht davon ausgehen, daß Pädagogen Kenntnisse zum Umgang mit betroffenen Kindern haben. Eltern und Kinder sollten also gut über die Krankheit Bescheid wissen, um gegebenenfalls Lehrer informieren zu können.

Denn aktuelle Umfragen offenbaren hier erhebliche Wissenslücken mit möglicherweise nachteiligen Konsequenzen für die von Asthma betroffenen Schüler, sagte Dr. Rüdiger Szczepanski vom Kinderhospital Osnabrück auf einem Symposium von ratiopharm.

Zwar ist das Wissensdefizit in Deutschland inzwischen wohl nicht mehr ganz so schlimm wie im London des Jahres 1990, wo noch 39 Prozent der in 98 Grundschulen befragten Lehrer angegeben hatten, sie würden das Mitführen eines Asthmasprays im Unterricht verbieten. Doch auch heute wissen nur wenige Lehrer, was etwa bei einem akuten Asthmaanfall zu tun ist.

Bei einer 2001 von Szczepanski und Mitarbeitern vorgenommenen Befragung von 483 Lehrern aus allgemeinbildenden Schulen im Raum Osnabrück gaben lediglich vier und fünf Prozent an, an einer Asthmaschulung oder an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen zu haben, in dem auch die Asthma-Akutversorgung Thema war.

In einer forsa-Umfrage in diesem Jahr wurden deutschlandweit 300 Sportlehrern telefonisch asthmarelevante Fragen zu ihrem Fach gestellt. 65 Prozent bezeichneten sich zum Thema Asthma und Sport als überhaupt nicht (14 Prozent) oder nicht gut (51 Prozent) informiert.

Immerhin wußten 90 Prozent der Befragten, daß es bei Asthmatikern sinnvoll ist, bei beginnenden Beschwerden im Sportunterricht die Belastung zu unterbrechen. Und 77 Prozent war klar, daß mit regelmäßigen Belastungspausen einem Anstrengungsasthma vorgebeugt werden kann. 67 Prozent kannten den gleichen Nutzen eines Intervall-Aufwärmtrainings.

Dieses Wissen nützt aber wenig, wenn man seine Asthmatiker gar nicht kennt. Denn nur 36 Prozent aller Befragten glaubten, schon mal einen Schüler mit Asthma in ihrem Sportunterricht gehabt zu haben.(wst)

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