Direkt zum Inhaltsbereich

Spezifische COPD-Therapie lohnt von Anfang an

MÜNCHEN (grue). Auch bei Patienten mit einer nur leichten chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kann eine Behandlung mit Tiotropium die Lungenfunktion verbessern. Bisher wird dieses Medikament nur bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung empfohlen.

Veröffentlicht:

Hinweise auf eine COPD

  • Langjährige Raucher
  • Alter über 45 Jahren Husten und Auswurf besonders morgens
  • Beschwerden nehmen allmählich zu
  • Sekundenkapazität als Ausdruck der Bronchialobstruktion ist erniedrigt und verbessert sich nach Inhalation eines kurzwirksamen Beta-2-Mimetikums (z.B. 200 mg Salbutamol oder Fenoterol oder 500 mg Terbutalin) um weniger als 15 Prozent
  • Belastungsatemnot bei fortgeschrittener Erkrankung

Wenn Patienten bereits morgens über Husten und Auswurf klagen, kann dies auf eine COPD hinweisen.

Tiotropium (Spiriva®) ist ein langwirksames Anticholinergikum, das die Bronchien erweitert. Es wird derzeit zur Dauerbehandlung von Patienten mit COPD ab dem GOLD-Stadium II empfohlen, das heißt bei einer Einsekundenkapazität (FEV1) von unter 80 Prozent. Das Medikament bessert die Lungenfunktion, mildert die Dyspnoe-Symptome und senkt die Exazerbationsrate.

Patienten mit nur leichter Erkrankung profitieren jedoch ebenfalls von einer Therapie mit dem Anticholinergikum, wie jetzt in einer prospektiven Studie nachgewiesen worden ist. Studienleiter Dr. Gunnar Johansson von der Universität Uppsala in Schweden hat die Ergebnisse beim Pneumologen-Kongreß in München vorgestellt.

An der Doppelblind-Studie haben 224 Patienten mit leichter COPD teilgenommen. Sie wurden drei Monate lang mit 18 µg Tiotropium einmal täglich oder mit Placebo behandelt. Das berichtete Johansson auf einer Veranstaltung der beiden Unternehmen Boehringer Ingelheim und Pfizer.

Primärer Endpunkt war die Veränderung der Lungenfunktion - beurteilt etwa nach dem FEV1- und FVC ( forcierte Vitalkapazität)-Wert innerhalb eines Zeitraumes von zehn Minuten vor bis zu zwei Stunden nach der Inhalation.

Wirkung auf Bronchien hält 24 Stunden an.    
   

Tiotropium schnitt vom ersten bis zum letzten Therapietag signifikant besser ab als Placebo, was die Lungenfunktion betraf. Die bronchodilatatorische Wirkung des Medikamentes hielt zuverlässig über 24 Stunden an, sagte der Pneumologe Johansson. Deshalb habe sich mit dem Mittel im Verlauf der Therapie auch die basale Lungenfunktion (Meßzeitpunkt vor der jeweils nächsten Inhalation, genannt Trough-Wert) um relativ sechs Prozent verbessert.

Tiotropium sei damit bei Patienten mit leichter COPD ähnlich wirksam wie bei schwerer erkrankten Patienten, so Johansson. Wenn COPD-Patienten über Kurzatmigkeit, Husten oder Dyspnoe klagen, könne sich deshalb - unabhängig vom Stadium der Erkrankung - eine Behandlung mit langwirksamen Bronchodilatatoren durchaus lohnen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Dosieraerosol, Pulverinhalator, Vernebler

Fallstricke bei der Inhalationstherapie im Kindesalter

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Fehlende Folgediagnosen verfälschen das Bild

Zi: Endometriose wird in Abrechnungsdaten häufig unterschätzt

Lesetipps
Karzinom in der Bauchspeicheldrüse in schematischer Darstellung

© Crystal light / stock.adobe.com

Chance auf frühe Diagnose?

Pankreaskrebs: Welche Verschreibungen Verdacht wecken sollten

Eine Agarplatte mit angewachsenen Pilzkolonien.

© Saiful52 / stock.adobe.com

Prophylaxe, Diagnostik und Therapie

Pilzinfektionen in der Hämatologie/Onkologie: So gehen Sie vor

Körpersprache ist stärker als das gesprochene Wort. Man kann aufgebrachten Patienten daher durchaus auch die Handfläche zeigen, also leicht ausgestreckter Arm, man zeigt die Handfläche und signalisiert dem Patienten „Stopp“, so Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke.

© Doodeez / Stock.adobe.com

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren