Ärzte Zeitung, 20.09.2006

Atemwegsliga empfiehlt Spirometrie als Screening

Noch zu selten Spirometrie bei Asthma und COPD / Zum Einschreiben in DMP müssen Ärzte Kenntnisse nachweisen

BADEN-BADEN (skh). In Westeuropa haben über 50 Prozent aller Patienten mit Asthma oder COPD noch nie eine Lungenfunktionsmessung bekommen, belegen Daten der AIRE-Studie. Das liegt auch daran, daß viele Patienten mit Atemnot ihren Lebensstil der Erkrankung anpassen. Die richtige Verwendung der Spirometrie erlaubt jedoch eine frühe Diagnose und ist außerdem leicht zu erlernen.

Eine Lungenfunktionsprüfung wäre bei Rauchern ratsam. Foto: klaro

Auch in Deutschland seien 20 Prozent aller Asthmapatienten nicht ausreichend untersucht, hat Dr. Harald Mitfessel von der Ärztegruppe Lungenfunktionsdiagnostik berichtet. Beim MedCongress in Baden-Baden erinnerte Mitfessel daran, bei Symptomen wie Husten und Auswurf, sowie Belastungsdyspnoe und intermittierender Kurzatmigkeit grundsätzlich eine Spirometrie zu veranlassen.

Gerade ältere Patienten und Raucher mit diesen Symptomen bekämen meist zunächst ein EKG. Das sei auch richtig, so Mitfessel, weil die meisten Patienten ohnehin sowohl Herz- als auch Lungenkrankheiten hätten. Die Lungenfunktion werde aber häufig vernachlässigt oder erst dann gemessen, wenn keine kardiale Ursache für Husten und Atemnot gefunden wurde.

Nach den überarbeiteten Leitlinien der Deutschen Atemwegsliga wird die Spirometrie auch als Screening empfohlen, nämlich bei Rauchern und bei einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung, etwa in der Arbeitsmedizin. Kontraindiziert ist die Lungenfunktionsmessung allerdings bei Patienten mit Spannungspneumothorax, akuten inneren Blutungen und in der Akutphase eines Herzinfarktes.

Hohe Qualität der Untersuchung  bei gut geschulten Praxishelfern

Mitfessel betonte, wie wichtig bei der Spirometrie auch die richtige Schulung der Praxismitarbeiter sei. Nur wenn die Patienten "freundlich aber streng" durch die Untersuchung geführt würden, sei sichergestellt, daß die verschiedenen Atemparameter auch richtig erfaßt werden können. Dazu gehören vor allem das forcierte expiratorische Einsekunden-Volumen (FEV1) und die inspiratorische Vitalkapazität (IVK), aus denen der Tiffenau-Quotient (FEV1/IVK) gebildet wird.

Zudem sei es unerläßlich, bei der Spirometrie konsequent auf scheinbar banale Details zu achten: Die Patienten sollten sich gerade halten, die Krawatte abnehmen und eine Nasenklammer aufsetzen. Letzteres sei nötig, um die Totraumventilation durch die Nase zu vermeiden, die das Ergebnis verfälschen würde. Mit den Lippen sollten die Patienten das Mundstück - auch beim Husten - fest umschließen und mit den Zähnen leicht darauf beißen. Anderenfalls bestehe die Gefahr, daß lockere Zähne oder Prothesen bei forcierter Einatmung aspiriert werden.

Auch zur Einschreibung von Patienten in das Disease Management Programm (DMP) etwa für COPD ist das Ergebnis der Spirometrie ein wichtiges Kriterium: So sei der Nachweis einer nicht reversiblen Obstruktion (FEV1/IVK unter 70 Prozent), der Nachweis eines erhöhten Atemwegswiderstandes, einer Überblähung oder einer Gasaustauschstörung Bedingung für die Aufnahme in das DMP, so Mitfessel. Nach neusten Bestimmungen müssen Ärzte außerdem die Beurteilung von mindestens 100 Lungenfunktionsmessungen nachweisen können, um Patienten in die DMP für Asthma und COPD einschreiben zu können.

Infos zur Gruppe Lungenfunktionsdiagnostik und Anmeldeformulare für Spirometriekurse gibt es unter www.lufu.de

STICHWORT

Epidemiologie von COPD und Asthma

Morbidität in Deutschland: An Asthma sind in Deutschland fünf Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder erkrankt.

Mortalität in Deutschland: Über 4000 Patienten sterben in Deutschland pro Jahr im Asthmaanfall oder an den Folgen chronischen Asthmas. Von allen Todesfällen durch Lungenkrankheiten entfallen 24 Prozent auf COPD- und fünf Prozent auf Asthma-Patienten.

Weltweit: Einer WHO-Prognose zufolge wird die COPD im Jahr 2020 dritthäufigste Todesursache sein. 1990 lag sie noch auf Platz sechs.

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