Ärzte Zeitung, 06.12.2006

Tiotropium senkt bei COPD Rate an Exazerbationen

Daten von 6000 Patienten

MÜNCHEN (grue). Das langwirksame Anticholinergikum Tiotropium verringert die Exazerbations-rate bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Das hat die Analyse von Daten aus mehreren Langzeit-Studien bestätigt.

Für die Metaanalyse wurden die Daten aus neun Studien mit insgesamt mehr als 6000 COPD-Patienten ausgewertet. Die Teilnehmer waren für mindestens sechs Monate einmal täglich mit 18 Mikrogramm Tiotropium (Spiriva®) oder mit Placebo behandelt worden. Mit dem Anticholinergikum hatte es signifikant weniger Exazerbationen als mit Placebo gegeben.

Das hat Professor David Halpin aus Exeter in England auf einer Veranstaltung der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Pfizer in München berichtet. Als akute Exazerbation galt, wenn bei den Patienten mindestens zwei COPD-Symptome wie Atemnot oder schleimiger Auswurf für drei Tage und länger verstärkt oder erstmalig auftraten.

Vorteil unabhängig von der begleitenden Medikation

Berücksichtigt wurde bei der Analyse der Daten, ob die Patienten zusätzlich Antibiotika oder orale Steroide bekommen hatten. "Tiotropium verringerte die Exazerbationsrate unabhängig davon, welche zusätzlichen Medikamente nötig waren", sagte Halpin.

Bei den Patienten, die mit Antibiotika behandelt wurden, war die Zahl der Exazerbationen mit Tiotropium um 21 Prozent geringer als mit Placebo. Von der Tiotropium-Behandlung profitierten alle Patienten, also auch Alte und Patienten mit schlechter Lungenfunktion. Ebensowenig war relevant, ob die Patienten als weitere Basistherapie Steroide inhalierten oder nicht.

"Weniger Exazerbationen bedeuten eine bessere Prognose", so Halpin. Denn wiederkehrende Phasen mit starker Verschlechterung einer COPD zehren langfristig an den Kräften der Patienten. In einer Studie aus den Niederlanden betrug die Ein-Jahres-Sterblichkeit solcher Patienten 23 Prozent, in einer Studie aus Dänemark sogar 36 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »