Ärzte Zeitung, 19.03.2007

BMI unter 21 verschlechtert Prognose bei COPD

Körpergewicht und Sechs-Minuten-Gehstrecke beeinflussen Sterberisiko / Leitlinie zu Raucherlunge aktualisiert

MANNHEIM (otc/ikr). Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) betrifft nicht nur die Lunge. Sie hat Auswirkungen auf den ganzen Körper. Das beeinflusst das Befinden und die Prognose. Diese recht neue Erkenntnis soll nach der aktualisierten COPD-Leitlinie bei der Betreuung der Patienten künftig stärker beachtet werden.

Eine Hilfe im Praxisalltag soll hierbei künftig der BODE-Index sein. Das B steht für "Body Mass Index", O für "Obstruction", D für "Dyspnoea" und E für "Exercise Capacity". Es handelt sich um eine neue Art der Schweregrad-Einteilung, bei der nicht nur der Grad der Obstruktion, sondern auch das Körpergewicht, die Atemnot und die körperliche Belastbarkeit der Patienten berücksichtigt werden.

Die Obstruktion wird dabei zum Beispiel anhand der Einsekundenkapazität (FEV1) und die körperliche Belastbarkeit über die Sechs-Minuten-Gehstrecke gemessen, sagte Professor Claus Vogelmeier aus Marburg beim Pneumologen-Kongress in Mannheim. Je nach Messergebnis werden für die einzelnen Parameter Punkte vergeben - maximal in der Summe zehn Punkte. Je mehr Punkte ein Patient erreiche, desto stärker sei er durch die COPD beeinträchtigt, so Vogelmeier.

Erreicht ein Patient zum Beispiel im Sechs-Minuten-Gehtest nur 149 Meter oder sogar weniger, gibt es drei Punkte, sind es 150 bis 249 Meter gibt es nur zwei Punkte. Außerdem: Für einen Body Mass Index (BMI) von 21 kg /m2 oder darunter gibt es einen Punkt, für einen BMI über 21 kg /m2 null Punkte.

Der BODE-Index charakterisiere die Beeinträchtigung der Patienten deutlich besser als die FEV1 allein, sagte Vogelmeier. Zudem sei der Index nach den Ergebnissen von Studien ein besserer Prädiktor für das Sterberisiko. Der BODE-Index wurde daher in die von der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie überarbeitete COPD-Leitlinie aufgenommen. Sie wird voraussichtlich im Mai in der Zeitschrift "Pneumologie" publiziert werden.

An den für die Prognose von COPD-Patienten bedeutsamen Parametern lässt sich nicht nur durch Medikation, sondern auch durch nichtmedikamentöse Maßnahmen drehen. So lässt sich der BMI etwa durch hochkalorische Trinklösungen und die Sechs-Minuten-Gehstrecke durch körperliches Training steigern.

Die COPD wird nach Angaben von Vogelmeier zunehmend als eine Systemerkrankung verstanden. Sie führe infolge einer chronischen Entzündung und der gesteigerten Atemarbeit zu einem erhöhten Energie- und Proteinumsatz mit Folgen für den gesamten Organismus.

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